Hygienische Überprüfung von raumlufttechnischen (RLT-) Anlagen

Vorbemerkungen

Die DIN 1946-4 gibt es aktuell in drei Versionen, welche alle noch teilweise Gültigkeit haben. Für Anlagen, die nach der Norm von März 1999 geplant und gebaut wurden, werden noch immer jährlich nach dieser Norm überprüft. Neuere Anlagen sind nach der DIN 1946-4 vom Dezember 2008 geplant und gebaut. Diese müssen daher auch nach dieser Norm geprüft werden.Neu seit September 2018 gibt es die derzeit aktuelle Version der DIN 1946-4. Für Anlagen, welche nach der Norm von 2018 geplant und gebaut werden, gelten die Vorschriften hinsichtlich der raumlufttechnischen Prüfung - wie in dieser Norm beschrieben. Generell sind die Prüfungen der jeweiligen Norm verpflichtend, nach der die Anlage geplant wurde.

Das Labor bietet eine Reihe von raumlufttechnischen Untersuchungen an, kann aber je nach zugrundeliegender Norm sowie Ausgabestand eventuell nicht alle notwendigen Untersuchungen durchführen. Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf, um die Durchführbarkeit zu prüfen.

Anlagen, die gemäß der DIN 1946-4 von 1999 in Betrieb genommen wurden

Bei diesen Anlagen werden die Partikel mit einem Durchmesser >0,5µm am Zuluftauslass gemessen. Pro Messpunkt erfolgen 3 Messungen, wobei die Einzelwerte gemittelt werden.

Bei OP-Textil bzw. Lochblechdecken sollte mind. an 4 bis 5 unterschiedlichen Stellen gemessen werden. Hierbei gelten folgende Richtwerte:

  • Bei endständigen Hochleistungs-Schwebstofffiltern (EU 13 bzw. H13) gilt ein Richtwert von 4.000 und ein Grenzwert von 10.000 Partikeln/m³ Luft.
  • Für die Messung der Luftkeimzahlen gilt die gleiche Messanordnung und –durchführung wie für die Partikelzahl. Hier sollen der Richtwert von 4 KBE/m³ bzw. vor allem der Grenzwert von 10 KBE/m³ nicht überschritten werden.
  • Ist die Partikelzahl bei unauffälliger Keimzahl erhöht, spricht dies für Mängel an der RLT-Anlage bzw. des endständigen Filters. Im umgekehrten Fall ist von einer mangelhaften Flächendesinfektion auszugehen.
  • Bei jeder Messserie ist grundsätzlich auch die Strömungsrichtung mit einem Rauchröhrchen zu überprüfen. Alle erhobenen Messdaten müssen protokolliert und ggfs. dem Gesundheitsamt vorgelegt werden.

Anlagen, die gemäß der DIN 1946-4 vom Dezember 2008 geplant und in Betrieb genommen werden

Für diese Anlagen ist nur die DIN 1946-4 vom Dezember 2008 gültig. Sowohl die Abnahme- als auch die periodisch wiederkehrende Prüfung müssen dementsprechend gemäß dieser Norm vorgenommen werden. Insgesamt wurden einige Änderungen hinsichtlich der Norm von 1999 vorgenommen. So sind die Anforderungen nur raumbezogen und die Raumluftklasse I wird in die Raumluftklassen Ia und Ib unterteilt. Im Gegensatz zur alten Norm von 1999 sind bei der Leistungsqualifizierung gemäß der Neufassung sowohl ein Ingenieur als auch ein Hygieniker sowohl für die Erstabnahme als auch für die periodischen Nachqualifizierungen erforderlich. 

Bei der Raumluftklasse Ia umfasst die Erstabnahme die Strömungsvisualisierung, die Schutzgrad- oder alternativ die Turbulenzgradmessung sowie ein mikrobiologisches Monitoring.

Die periodische Prüfung umfasst die Prüfung der Luftströmungsrichtungen, ein mikrobiologisches Monitoring und die Visualisierung der Abschirmung des Schutzbereiches. 

Bei der Raumluftklasse Ib steht die sog. Erholzeit (Reduktion der Partikelkonzentration um 99 % innerhalb von 25 Minuten) im Mittelpunkt. Hierzu sind die entsprechenden Partikelmessungen in Raummitte in 1,2 Meter Höhe durchzuführen. Bei der Raumluftklasse Ib sind die entsprechenden periodischen Überprüfungen alle 2 Jahre vorzunehmen.

Alle diese Messungen sind wiederum genau zu protokollieren und ggfs. dem Gesundheitsamt vorzulegen.

Anlagen, die gemäß der DIN 1946-4 vom September 2018 geplant und in Betrieb genommen werden

Die neue Norm von September 2018 bringt für Anlagen, welche nach dieser Norm geplant und gebaut werden, mehr Verantwortung für den Krankenhaushygieniker mit sich. Weiterhin werden die Partikelzählung, die Strömungsrichtungen sowie die Erholzeit gefordert. Ob ein mikrobiologisches Monitoring (z. B. mit einer aktiven Luftkeimsammlung) regelmäßig durchgeführt wird, liegt im Entscheidungsbereich des Krankenhaushygienikers. Ebenfalls sind regelmäßige Begehungen gefordert.