Aktuelle Laborinformation vom 22.12.2020

SARS-CoV-2: Ein aktueller Überblick zur neuen Virus-Mutation

Im Rahmen der Coronavirus-Pandemie sind in der letzten Woche neue Stämme des Virus aufgetreten, die laut Pressemitteilungen angeblich zu einer leichteren Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch führen. Dies hat bereits teilweise zu massiven Reaktionen der Behörden und zu Einreiseverboten aus den Ländern wie Großbritannien und Südafrika geführt, in denen diese Variante gehäuft gefunden wurden.

Wie ist eine Mutation des Coronavirus zu bewerten?

Das Auftreten von Mutationen im Genom viraler Erreger ist keine Besonderheit und wurde auch in der aktuellen Pandemie bereits sehr früh aus verschiedenen Ländern berichtet. Innerhalb von 3 bis 4 Monaten nach Beginn der Ausbreitung wurde in China das Vorkommen fünf verschiedener Mutationen des SARS-CoV-2 beschrieben. Sogar innerhalb einzelner Länder von Europa, Asien und Amerika breiteten sich mehrere genetisch leicht unterschiedliche Stämme aus.

Statistisch treten im Genom eines Virus pro Monat 1 bis 2 Mutationen auf. Die allermeisten Mutationen führen allerdings zu keiner Änderung der Eigenschaften des Virus.

Was ist über die aktuell in Großbritannien erkannte Virus-Mutation bekannt?

Im September 2020 wurde in Großbritannien über die Verbreitung einer neuen Viruslinie berichtet, die im sogenannten Spike-Protein mehrere verschiedene genetische Veränderungen enthielten und damit die Bindungsfähigkeit des Erregers an seinen Rezeptor auf den menschlichen Zellen beeinflussen könnte. In Südafrika wurden ähnliche, aber nicht mit den britischen Linien identische Stämme, gefunden.  

Ob sich diese neuen Virusstämme tatsächlich schneller ausbreiten, ist bislang nicht bewiesen. Die in der Presse berichtete „leichtere Übertragbarkeit von 70 %“ beruht auf theoretischen Annahmen. Dass diese Variante innerhalb Londons für mittlerweile 60 % der Fälle verantwortlich sein soll, könnte bspw. auch auf eine lokale Ausbreitung zurückzuführen sein. Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass die neue Mutante mit einem schwereren Krankheitsverlauf einhergeht. - Dennoch ist erhöhte Wachsamkeit geboten.

Werden Virus-Mutationen in der PCR-Diagnostik des MVZ Labor Ravensburg erkannt?

Die von uns zur SARS-CoV-2-Diagnostik eingesetzten PCR-Tests erfassen auch die bislang mutierten Virusstämme. Eine Differenzierung zwischen dem neuen mutierten Virus und den bereits seit Anfang des Jahres kursierenden Stämmen ist bei einem positiven Ergebnis allerdings nicht nötig, da sich das Vorgehen im Fall eines positiven PCR-Tests nicht unterscheidet.

Sollten sich in der Diagnostik Änderungen ergeben, werden wir Sie zeitnah informieren.

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