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Vitamin B12-Mangel und Methylmalonsäure:
höhere Spezifität durch einen neuen Labortest


Sehr verehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

zwar zählt Vitamin B12 (auch Cobalamin) nicht zu den kritischen Vitaminen, was die Bedarfsdeckung mit der Nahrung betrifft, trotzdem kann die Versorgungslage kritisch sein wie z.B. bei Patienten über 60 Jahre, die häufig eine Gastritis entwickeln [1]. Da Vitamin B12 essentiell ist für den Ein-Kohlenstoff-Metabolismus sowie für die Zellteilung [2], kann ein Mangel zu verschiedensten Krankheitsbildern mit neurologischer oder hämatologischer Symptomatik (bis zur perniziösen Anämie) führen [1]. Die Prävalenz eines subklinischen funktionellen Cobalamin-Mangels in der allgemeinen Bevölkerung ist bei Verwendung sensitiverer und spezifischerer Marker, wie Holotranscobalamin II (HoloTC) und Methylmalonsäure (MMS) höher als bislang angenommen [1].


MMS zur Diagnostik des Vitamin-B12-Mangels


Zum Routineprogramm in der Labordiagnostik gehört die Spiegelbestimmung des Vitamin B12. Ein klinischer Cobalamin-Mangel kann aber auch bei einem Spiegel < 400 ng/L Vitamin-B12 vorliegen (unterer Referenzbereich [2]). Zur weiteren Abklärung bei niedrignormalen Cobalamin-Werten sollte neben Holotranscobalamin (HoloTC) auch die Methylmalonsäure bestimmt werden.  MMS gilt als frühester Marker eines funktionellen Cobalamin-Mangels (es korreliert im niedrigen Konzentrationsbereich gut mit dem Vitamin B12 –Spiegel [2]).


Stoffwechsel der MMS


Die im Stoffwechsel verzweigtkettiger Fettsäuren entstehende MMS, wird durch eine intrazelluläre enzymkatalysierte (L-Methyl-malonyl CoA-Mutase) Reaktion zum Isomer Bernsteinsäure (Succinyl Coenzym A) umgewandelt. Diese wird direkt in den Kohlenhydrat-Stoffwechsel eingeschleust. Besteht ein Mangel an zellulärem Cobalamin kommt es zu einer vermehrten Abgabe von MMS ins Blut. Da es nur diesen einen Vitamin-B12-abhängigen Stoffwechselweg für den Umbau von MMS gibt, ist der Anstieg des MMS-Spiegels ein sensitiver [3] Frühindikator eines funktionellen Vitamin B12-Mangels. Ein weiterer Indikator für einen funktionellen Mangel ist der Anstieg des Homocystein im Plasma. Dieser erfolgt aber erst wenn zusätzlich ein Folat oder Vitamin B6 Mangel vorliegt [2] und wird auch durch den Lebenstil (Rauchen, Alkoholkosum) beeinflusst [3].


Verbesserte Labordiagnostik: MMS im Urin


Dadurch, dass MMS ausschließlich über die Nieren ausgeschieden wird, kann eine eingeschränkte Nierenfunktion (vorwiegend ältere Patienten) zu auffälligen Werten von Methylmalonsäure im Serum bzw. Plasma führen [3,4,5]. Diese geringere Spezifität der MMS im Serum und Plasma kann umgangen werden durch einen neuen Test, der auch die Bestimmung der Methylmalonsäure aus dem zweiten Morgenurin ermöglicht [4,5]. Mit dem Bezug des Messwertes auf das Kreatinin, kann die Ausscheidungsleistung der Niere berücksichtigt werden. Ein falsch hoher Wert kann klinisch nur noch aus einer intestinalen bakteriellen Überwucherung resultieren.


Indikation für die MMS-Bestimmung


Bei älteren Patienten und Patienten mit Anämie, unklare neuropsychiatrische oder gastrointestinalen Symptomen (sore tongue, Anorexia, Diarrhö) mit einem niedrig normalen Cobalamin-Spiegel (< 500 ng/L).

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion wird die neue Methode zur Bestimmung von Methylmalonsäure im Urin empfohlen.


Probenmaterial


1,0 (0,5)  ml Serum/Plasma (tiefgefroren) oder 1,0 (0,5)  ml zweiter Morgenurin (tiefgefroren).

Kommt die Probe am gleichen Tag im Labor an, kann diese auch bei 2-15 °C versendet werden.


Referenzbereich und Interpretation


    Bewertung 
Serum/Plasma
Urin 
  < 300 nmol/L
  < 3,6 mmol/mol Kreatinin 
Kein Hinweis auf Vitamin B12-Mangel 

Abrechnung Stand Mai 2009


Die MMS-Bestimmung kann für Privatversicherte, Kassenpatienten und als IGEl-Leistung angefordert werden. Die Bestimmung erfolgt im Facharztlabor.


Preis pro Bestimmung:    
GOÄ 4210 60,33 € Zzgl. Porto und Versand! 
IGEL 4210 52,46 €  
EBM 32314 51,90 €  

Literatur


[1] K Pietrzik, I. Golly, D. Loew „Handbuch Vitamine“ Elsevier GmbH, München, 1. Aufl. 2008

[2] Lothar Thomas „Labor und Diagnose“ TH-Books Verlagsgesellschaft mbH 2008, 7. Aufl.

[3] A-M Hvas, E Nexo (2006) Haematologica 91 (11): 1508 - 1512

[4] M. Vogeser, W. Müller, S. Lorenzl (2007) Clin Chem Lab Med 45(5): 695-696

[5] EJ Norman (1998) British Journal of Haematology 100: 614-615

 

 


Verfasser:

Dr. med. W. Gärtner, Facharzt für Labormedizin, Tel.: 0751-502670

Dr. rer. nat. P. Pagel, Dipl. Chemiker, Tel.: 0751-502650