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IGeL - Patienten-Information Thrombose


Liebe Patientin, lieber Patient,

eine Thrombose entsteht durch "Verstopfung" eines Blutgefäßes durch ein Gerinnsel. Betroffen sind sehr häufig Venen der Beine. Löst sich ein solches Gerinnsel in den Venen, so spricht man von einem Embolus. Kommt dieser z. B. aus den tiefen Venen des Oberschenkels, so kann er verschleppt werden und beim Durchfluss durch die Lunge in einer großen Lungenarterie hängen bleiben. Dadurch entsteht die immer lebensgefährliche und oft tödliche Lungenembolie. Auch ohne akute Lungenembolie führt eine Thrombose oft zu schweren Spätschaden. So ist eine Erblindung des Auges durch eine Netzhautthrombose denkbar. Durch die Gerinnselbildung können die Venen teilweise wie ein "verkalktes Rohr" so stark verengt werden, dass es zu einem chronischen Blutstau der Beine mit Wassereinlagerung, chronischer Schwellung und schließlich zur Geschwürbildung kommt: offene Beine können entstehen.

 


Wer hat Venenthrombosen zu fürchten?


Gehäuft treten tiefe Thrombosen jenseits des 40. Lebensjahres auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Unterschiedliche Faktoren wie Pilleneinnahme, Übergewicht, Rauchen, körperliche Aktivität oder langes Sitzen mit abgewinkelten Beinen auf Fern- oder Flugreisen können das Thromboserisiko erhöhen. Durch Fortschritte in der Thromboseforschung gibt es heute die Möglichkeit, angeborene Störungen der Blutgerinnung zu erfassen, noch bevor es zu einer Thrombose kommt. Das Risiko einer Thromboseentstehung kann bei Vorliegen einer solch angeborenen Störung auf das bis zu Dreißigfache ansteigen. Bestehen darüber hinaus Risiken wie Übergewicht, Pilleneinnahme oder Rauchen, können sich diese Risiken addieren!


Wann sollte durch eine einmalige prophylaktische Laboranalytik das persönliche Risiko abgeklärt werden?


1. Thrombosen oder Embolien in der näheren Verwandtschaft
2. Abklärung vor erster Schwangerschaft
3. Risikobeurteilung vor Erstverordnung von Hormonpräparaten (z. B. Pille)
4. Bei Bestehen mehrerer Risikofaktoren wie Nikotin, Adipositas und Hormonbehandlung
5. Vor Antritt von Langstreckenflügen


Welche genetischen Gerinnungsstörungen werden durch ein Laborprogramm erfasst?


Untersucht werden mit dem "kleinen Laborprofil" die fünf bedeutsamsten angeborenen Störungen: APC-Resistenz (Faktor V-Leiden), Prothrombin-Mutation, Antithrombin-III-Mangel, Protein-C-Mangel sowie Protein-S-Mangel.

Zur Veranschaulichung: Von 1500 Schwangeren entsteht bei einer Frau eine Venenthrombose. Besteht eine Mutation im Faktor-V-Gen und Prothrombin-Gen, so steigt das Risiko einer Thrombose bereits auf 1:20. Das heißt, bei einer von 20 Schwangeren kommt es zu einer Thrombose. Anmerkung: Diese Laboruntersuchung erfasst eine angeborene nicht erworbene Störung, so dass sie im Leben nur einmal durchgeführt werden muss! Das Ergebnis sollte also im Impf- bzw. Notfallausweis eingetragen werden. Zusätzlich können als weitere Risikokomponenten Lupus-Antikoagulanz und Homocystein erfasst werden.


Reisethrombose


Die erhebliche Zunahme von Fernreisen auch älterer Menschen mit entsprechender Disposition hat die Reisethrombose stärker in den Vordergrund gerückt. Aus groß angelegten Untersuchungen in der Flugmedizin lassen sich heute Empfehlungen zu vorbeugenden Maßnahmen ableiten, die besonders für kranke und ältere, aber auch für völlig gesunde Reisende gelten. Da über 5 % der Bevölkerung - ohne dies zu wissen - von einer angeborenen Gerinnungsstörung betroffen sind, sollten Menschen mit bereits erhöhtem Risiko (Übergewicht, Rauchen, Pille) sehr sorgfältig erwägen, ob die Abklärung einer angeborenen Gerinnungsstörung für sie wichtig ist.


Welche grundsätzlichen Empfehlungen lassen sich zur Vermeidung einer Reisethrombose geben?


Die Flugmedizin unterscheidet drei Risikogruppen:  

1. Niedriges Risiko
Es trifft alle, auch gesunde Reisende, die eine mehrstündige sitzende Position in unphysiologischer Sitzhaltung mit stark abgewinkelten Beinen und oftmals beschränkten Bewegungsmöglichkeiten einnehmen müssen.  

2. Mittleres Risiko
Wenn mindestens zwei der folgenden Merkmale zutreffen: Lebensalter über 40 Jahre; Herzinsuffizienz; Vorliegen von Krampfadern oder venöser Insuffizienz; Einnahme der Pille; Übergewicht; Schwangerschaft; Nikotinabusus.  

3. Hohes Risiko
Wenn eines der folgenden Merkmale vorliegt: Bereits in der Vorgeschichte eine Venenthrombose; Tumorleiden; Gipsverband der unteren Extremität; nachgewiesene familiäre Thromboseneigung; kurz zurückliegender operativer Eingriff mit hohem Thromboserisiko; bereits erwiesenes erhöhtes genetisches Risiko! (s. o.)


Empfehlungen zur Prophylaxe:


Entsprechend den oben dargestellten Risikoprofilen werden von der Konsensus-Konferenz "Reisethrombose" folgende Maßnahmen zur Vorbeugung empfohlen:  

Niedriges Risiko:
Bewegung sowohl im Sitzen wie im Stehen (Fußwippen, An- und Entspannen der Wadenmuskulatur), reichlich Flüssigkeitszufuhr (Alkohol und Kaffee meiden), Beruhigungsmittel meiden, um nicht zusätzlich die Bewegungsarmut zu verstärken.  

Mittleres Risiko:
Zusätzlich zu den oben dargestellten allgemeinen Maßnahmen: Kompressionsstrümpfe Klasse 1, besser 2 für den gesamten Flug (Reise).  

Hohes Risiko:
Zusätzlich zu Kompressionsstrümpfen und allgemeinen Maßnahmen sollte eine medikamentöse Prophylaxe erfolgen. Dazu eignet sich besonders niedermolekulares Heparin wie z. B. Fraxiparin 0,3 gemäß folgender Anwendung: Direkt bzw. kurz vor Reiseantritt eine Injektion subkutan, bei Rundreisen evtl. täglich eine Gabe. (Die Dosierung erfolgt analog zur Thromboseprophylaxe im Hochrisikobereich). Anmerkung: Fraxiparin 0,3 ist zum Schutz zugelassen bei hohem, mittlerem aber auch niedrigem Thromboserisiko.


Sollten Sie weitere Fragen haben, so sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gern.



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