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IGeL - Patienten-Information SEXUELL ÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN



 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

sexuell übertragbare Erkrankungen bedürfen gesteigerter Aufmerksamkeit, wobei nicht nur an eine mögliche HIV-Infektion und andere Erkrankungen, sondern auch an Leberentzündungen durch Hepatitis-B-Viren gedacht werden sollte.

Umfassende Reisetätigkeit auch in abgelegenste Winkel unseres Globus, aber auch Partnerwechsel, stellen noch immer ein großes gesundheitliches Risiko dar. Eine Ansteckung mit einer sexuellen Erkrankung wird in vielen Fällen nicht sofort bemerkt. Mögliche Folgen stellen sich erst mit langer zeitlicher Verzögerung ein. Es geht nicht nur um eine Eigengefährdung. Auch der Partner wird gefährdet - und dies oft unwissend und nichts ahnend. Für viele Patienten ist es vor dem Eingehen neuer sexueller Beziehungen aus oben genannten Gründen wichtig zu wissen, ob sie frei von übertragbaren sexuellen Erkrankungen sind. Zum Nachweis dieser Infektionen sind eine Blutabnahme aus einer Armvene und ein bakteriologischer Abstrich erforderlich.

 


Das Laborprogramm


Nach sorgfältiger Auswahl wurde zur Erfassung der in unseren Breitengraden wichtigen sexuellen Erkrankungen ein Analysenprogramm zusammengestellt, mit dem folgendes erfasst bzw. ausgeschlossen werden kann:

HIV (AIDS), Syphilis (Lues), Gonorrhoe (Tripper), Chlamydien und Mykoplasmen.  

HIV-Antikörpertest: Nach relativer Freizügigkeit in den 70iger Jahren ist seit Anfang der 80iger Jahre mit Beginn der AIDS-Epidemie ein "Umdenken" zwingend erforderlich geworden. Dass es nahezu jeden "treffen kann", ist für die meisten Patienten nur schwer vorstellbar. Das erworbene Abwehrschwächesyndrom AIDS (Acquired Immunodeficiency-Syndrom) ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die durch HI-Viren verursacht wird. Mit dem HIV-Antikörpertest stellt der Arzt fest, ob eine Infektion stattgefunden hat und ob der Körper Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die HI-Viren gebildet hat. Bei Verdacht auf eine mögliche Ansteckung sollte dieser Test jedoch frühestens 5 - 6 Wochen nach Geschlechtskontakt durchgeführt werden, ein sicherer Ausschluss ist nach 3 Monaten möglich. Die frühestmögliche Chance, Antikörper im Blut zu finden, wird auf 2 Wochen nach Infektion geschätzt.

Die heimtückischen HI-Viren greifen bestimmte Zellen an und zerstören sie. Das Immunsystem, mit dem sich der Körper gegen Krankheitserreger schützt, bricht allmählich zusammen. Der Verlauf der Erkrankung ist jedoch individuell sehr unterschiedlich.

Wann sollte der HIV-Antikörpertest gemacht werden?


Sie hatten ohne Schutz Intimverkehr mit Partnern, von denen Sie nicht hundertprozentig wissen, ob diese nicht infiziert sind
Sie wollen Blut spenden
Sie gehören zu den Personengruppen, die gegenüber der Durchschnittsbevölkerung ein deutlich erhöhtes Risiko haben. Dies sind in erster Linie homosexuelle Männer, Drogenabhängige, Bluter (Hämophilie) und medizinisches Pflegepersonal.
Alle Patienten, die einem Personenkreis angehören, der häufig wechselnden Geschlechtsverkehr hat.

Wie wird die HIV-Infektion nachgewiesen?
Zuerst mit dem Antikörpersuchtest. Ist dieser positiv, wird durch einen aufwendigen Bestätigungstest (Western-Blot-Test) überprüft, ob tatsächlich eine HIV-Infektion vorliegt. Eventuell könnten andere Eiweißstoffe im Blut ein positives Ergebnis nur vorgetäuscht haben.

Was zahlt die Kasse?
Der HIV-Test gehört zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherungen, wenn anamnestische oder klinische Angaben den Verdacht auf eine HIV-Infektion ergeben. Ist dies nicht der Fall, und befürchtet lediglich der Patient, sich infiziert zu haben, so ist der HIV-Test keine Kassenleistung.

Die HIV-Infektion führt unbehandelt nach mehreren Jahren zum Vollbild der Immunschwächeerkrankung AIDS. In Deutschland gibt es ca. 50.000 HIV-Infizierte. Die Anzahl der Neuerkrankungen liegt bei ungefähr 1000 pro Jahr. Zunehmend erkranken vor allem jüngere Frauen an HIV. Obwohl dank gezielter Aufklärungskampagnen eine weitere Ausbreitung in der westlichen Welt gebremst werden konnte, scheint die Gefahr der Erkrankung immer wieder "verdrängt" zu werden. Offensichtlich wird durch die ständige Neuentwicklung von Medikamenten die fälschliche Hoffnung genährt, dass die Erkrankung heilbar ist. Diese Denkweise kommt einem Selbstmord in Raten gleich.  

SYPHILIS (LUES): Der Erreger Treponema pallidum gelangt durch kleine Haut- und Schleimhautverletzungen in den Organismus. Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch Geschlechtskontakt. Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 6 Wochen. Nach kleinen, schmerzlosen Geschwürsbildungen im genitalen, analen oder oralen Bereich "verschwindet" die Syphilis zunächst oberflächlich. Sie kehrt aber in einer Vielzahl unterschiedlichster Formen und Ausprägungen in Schüben wieder zurück. Komplikationen treten oft erst nach vielen Jahren auf. Der Nachweis ist frühestens zwei bis drei Wochen nach Infektion durch den TPPA-Test (Lues-Suchreaktion) nachzuweisen. Seit Entdeckung der Antibiotika ist die Erkrankung in Deutschland selten geworden. In osteuropäischen Ländern dagegen ist in den vergangenen Jahren eine wahre Epidemie zu beobachten, die nach dem Zusammenbruch politischer Systeme ihren Weg nun auch zu uns findet.  

GONORRHOE: Eine Ansteckung erfolgt beim Erwachsenen fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr. Nach relativ kurzer Inkubationszeit von 2 bis 10 Tagen entwickelt sich beim Mann nach Infektion eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis) mit Beschwerden beim Wasserlassen (Dysurie) und schleimig-eitrigem Ausfluss. Bei weiterer Ausbreitung können auch schwere Komplikationen bis hin zur Endocarditis (Entzündung der Herzinnenhaut und -klappen) auftreten. Bei der Frau sind Symptome oft weniger ausgeprägt und können als vorübergehende Blasenentzündung (Cystitis) fehlgedeutet werden. Die Gefahr der Verschleppung und Ausbreitung auf weitere Unterleibsorgane ist groß und kann als Spätkomplikation zur Sterilität führen. Diagnosestellung erfolgt durch Abstrich aus der Harnröhre und bei der Frau zusätzlich aus dem Gebärmutterhals. Beweis für eine Infektion ist der kulturelle oder molekularbiologische Nachweis.  

CHLAMYDIA TRACHOMATIS: Diese Erreger sind weltweit verbreitet. Sie werden in unterschiedliche Bakteriengruppen eingeteilt. Je nach Typ sind sie für unterschiedliche Erkrankungen verantwortlich. Chlamydienbedingte urogenitale Erkrankungen werden durch Sexualkontakt verbreitet. Der Erregernachweis erfolgt durch Abstriche aus der Harnröhre, der Vagina und evtl. aus geschwürigen Hautveränderungen. Durch Verwendung molekularbiologischer oder mikrobiologisch-immunologischer Verfahren wird der Erreger identifiziert.  

MYKOPLASMEN: Die im Urogenitaltrakt vorkommenden Mycoplasmen werden durch Direktkontaktübertragen. Vor allem beim Mann führt eine Infektion zu einer Entzündung der Harnröhre und/oder der Prostata. Bei der Frau führen die Erreger zu Entzündungen der äußeren Geschlechtsorgane, der Schleimhaut des Gebärmutterhalses wie auch der Eierstöcke. Der Nachweis einer Infektion gelingt durch kulturelle Anzüchtung der Erreger aus Abstrichmaterial.  

AN HEPATITIS DENKEN: Nicht einbezogen in das oben abgehandelte Laborprofil wurde die ansteckende Leberentzündung Hepatitis B. Hauptübertragungsweg ist Sexualkontakt, gelegentlich auch Tröpfcheninfektion bzw. Kontakt mit Körpersekreten oder Ansteckung durch verunreinigte Spritzen (Drogenabhängige). Das Hepatitis-B-Virus ist um ein Vielfaches ansteckender als das AIDS-Virus HIV. Wegen der möglichen Ansteckung durch Geschlechtsverkehr zählt die Hepatitis B zu den möglichen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Eine Untersuchung bei Verdacht auf Leberentzündung schließt in der Regel auch die Hepatitiserkrankungen durch Viren vom Typ A, C und D ein. Bei Verdacht auf eine Hepatitis-B-Infektion muss also eine zusätzliche Untersuchung durch Blutentnahme aus der Armvene veranlasst werden.   Da die einzelnen Erkrankungen auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichem Gefährdungsgrad auftreten können, bedarf es zur Abschätzung des Risikoprofils einer genauen Analyse und Beratung.


Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gern.

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