
Sehr geehrte Patientin,
falls Sie "die Pille" nehmen oder von Ihrem Frauenarzt verordnet bekommen möchten, sollten Sie sich die Zeit zum Durchlesen der folgenden Zeilen nehmen.
Die Verhütung mit oralen Kontrazeptiva ("die Pille") stellt eine sehr sichere Methode der Verhütung dar, die aber im Hinblick auf Ihre Blutgerinnung möglicherweise einige Risiken in sich birgt. Im ungünstigsten Fall kann dies zu einer Beinvenenthrombose oder zu einer Lungenembolie führen. Ob Sie zu den Risikopatienten gehören, kann man durch Blutuntersuchungen herausfinden.


Bei Gesunden findet normalerweise in Blutgefäßen keine spürbare Blutgerinnung statt. Erst wenn man sich verletzt und das Blut Kontakt mit der Wundfläche bekommt, wird die Gerinnung aktiviert und ein Blutgerinnsel verschließt die Wunde. Dies ist ein sinnvoller Vorgang, wird doch auf diese Weise verhindert, dass man durch eine kleine Schnittwunde (verursacht z. B. durch ein Küchenmesser) verblutet.
Bei einer Thrombose entstehen Blutgerinnsel nicht erst bei Kontakt mit einer Wundfläche, sondern schon in Gefäßen, in denen das Blut langsam strömt - wie etwa in den Beinvenen bei langem Sitzen während eines Langstreckenfluges. Ein besonders hohes Risiko stellen erweiterte Venen (Krampfadern) dar. Ein solches Gerinnsel (Thrombus) kann große Teile einer Vene verstopfen, das Blut staut sich dann im Bein und führt zu starken Schmerzen. Im ungünstigsten Fall löst sich dieser Thrombus von der Vene, "schwimmt" mit dem Blutstrom weiter und bleibt in der Lunge hängen (Lungenembolie), was je nach Größe des Thrombus sogar zum Tode führen kann. Daher müssen Thrombose-Patienten auch strenge Bettruhe einhalten, um eine Ablösung des Thrombus durch Bewegen der Beine zu verhindern. 

Jede Verlangsamung des Blutstromes erhöht das Thromboserisiko. Bei Gesunden besteht ein ausgeklügeltes Gleichgewicht, das eine Gerinnung an falscher Stelle verhindert und somit einer Thrombose vorbeugt.
Durch vererbbare Störungen dieses Gerinnungsgleichgewichtes kann die Thromboseneigung zunehmen. Alle heute bekannten Störungen sind in Ihrem Blut nachweisbar! 

Prinzipiell steigt bei jeder Frau unter Einnahme von Östrogenen (einem Inhaltsstoff der Pille) das Risiko, eine Thrombose zu erleiden. Sollten Sie jedoch in der direkten Verwandtschaft oder gar selbst schon Thrombosen gehabt haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie unter Pilleneinnahme eine Thrombose entwickeln, deutlich an. Die Abklärung Ihres erhöhten Thromboserisikos ist dann dringend zu empfehlen.
Leider trägt die Krankenkasse die Kosten der Blutuntersuchungen nur, wenn Sie selbst akut an einer Thrombose erkrankt sind oder der akute Verdacht darauf besteht. Wenn Sie sich um Ihre Gesundheit unter der Pilleneinnahme sorgen, können Sie diese Untersuchungen im Rahmen der individuellen Gesundheitsleistungen bei Ihrem Arzt auf eigene Kosten durchfuhren lassen.
Falls Sie weitere Fragen haben, berät Ihr Arzt Sie gerne und kann über den Preis für die Untersuchungen und die eventuell notwendige Beratung (z. B. über andere Formen der Verhütung) Auskunft geben.  |