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Aspergillus-Antigen-Nachweis als diagnostischer Marker einer invasiven Schimmelpilz-Infektion


Opportunistische invasive Schimmelpilzinfektionen stellen für immungeschwächte Patienten eine ernsthafte Bedrohung dar. Ihre Häufigkeit und die damit verbundene Mortalität haben in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen (9). Dieser Anstieg ist vor allem bedingt durch die zunehmende Zahl prädisponierter Patienten. Diese umfassen nicht nur hämatologisch-onkologische Patienten (insbesondere Patienten nach Knochenmarkoder Stammzelltransplantation) und Patienten nach Organtransplantation, sondern zunehmend auch Patienten unter immunsupprimierender Therapie mit sog. Biologicals (wie z. B. TNF-a-Antagonisten), Patienten nach ausgedehnten chirurgischen Operationen und Frühgeborene.


Trotz der wachsenden Bedeutung und der hohen Letalität stellt die Diagnostik invasiver Schimmelpilzinfektionen immer noch eine Herausforderung dar. Bei sinnvollem Einsatz der verfügbaren labordiagnostischen Möglichkeiten können diese jedoch eine frühzeitige Diagnosestellung und damit eine verbesserte Prognose der Patienten ermöglichen. Dem Aspergillus-Antigen-Nachweis kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.

Erregerspektrum invasiver Schimmelpilzinfektionen


 

 

 

 

Unter den Erregern invasiver Schimmelpilzinfektionen stellen Aspergillus-Spezies, allen voran Aspergillus fumigatus, die häufigsten Erreger dar (siehe Abbildung 1). Arten der Mucorales-Pilze, wie Mucor spp., Rhizopus spp. und Absidia spp., haben in den letzten Jahren an Häufigkeit zugenommen. Sie finden sich aber dennoch wesentlich seltener als Aspergillus-Spezies.



Vorkommen und Verbreitung von Aspergillus spp.


Aspergillus spp. und deren Sporen kommen ubiquitär in der Umwelt in Erde, Staub, Wasser und Luft vor. Eine Exposition liegt damit sowohl im ambulanten Bereich als auch in der Klinik vor. Durch Einrichtung von Stationsbereichen mit HEPA-gefilterter Luft wurde versucht, die Exposition gegenüber Schimmelpilzsporen in der Klinik zu minimieren. Diese Maßnahmen haben sich jedoch nur als bedingt wirksam erwiesen, die Anzahl invasiver Aspergillus-Infektionen zu senken.


Wann muss an eine invasive Aspergillose gedacht werden?


Die Manifestationen invasiver Schimmelpilzinfektionen sind vielgestaltig. Neben der klassischen pulmonalen Aspergillose mit entsprechenden klinischen und radiologischen Zeichen (trockener Husten, pulmonaler Rundherd mit Halo-Zeichen etc.), können invasive Aspergillus-Infektionen jedes Organ einschließlich des ZNS betreffen. Persistierendes Fieber und/oder unklare radiologische Befunde bei den folgenden Patientengruppen sollten Anlass sein, eine invasive Aspergillus-Infektion diagnostisch abzuklären:


Immunsupprimierte Patienten (Hämatologisch-onkologische Patienten, Patienten nach Transplantation, Therapie mit Biologicals etc., länger bestehende hoch dosierte Kortikoidtherapie etc.)
Patienten nach größeren Operationen, wie z. B. Herzoperationen
Frühgeborene
Patienten mit chronischen pulmonalen Erkrankungen
HIV-positive Patienten

Prognose invasiver Aspergillus-Infektionen


Bis in die 1990er Jahre hatte die invasive Aspergillose eine Letalität von 86% (pulmonale Aspergillose) bzw. 99% (cerebrale Aspergillose) (3). Trotz Einführung moderner,  auch verbessert ZNS-gängiger Antimykotika, wie liposomalem Amphotericin B, Triazol-Antimykotika und Echinocandinen, liegt die durchschnittliche Letalität der invasiven Aspergillose immer noch bei 58% (6). Bei Patienten nach Knochenmarktransplantation und bei Patienten mit Beteiligung des ZNS liegt die Letalität sogar bei 87 bis 88% (6).


Labordiagnostik


Der mikrobiologische Nachweis einer invasiven Aspergillose ist grundsätzlich mittels mikroskopischem Direktnachweis und kultureller Anzucht aus Sputum, BAL, Biopsien etc., Antigen-Nachweis im Serum und Liquor sowie PCR- Verfahren möglich. Da keines der verfügbaren Nachweisfahren eine hundertprozentige Sensitivität und Spezifität hat, sollten unterschiedliche Testverfahren kombiniert werden.

Die kulturelle Anzucht von Aspergillus spp. erlaubt einen eindeutigen Pilznachweis, gelingt jedoch nur bei max. einem Drittel der Patienten mit invasiver Aspergillose aus Sputum bzw. ca. 50% aus BAL (10). Dennoch ist die Kultur, auch aufgrund des möglichen Nachweises anderer pathogener Schimmelpilze, bei Patienten mit Verdacht auf invasive Schimmelpilzinfektion stets anzustreben! Ein Nachweis von Aspergillus spp.-DNA mittels PCR ist aus respiratorischen Sekreten, Blut und Liquor möglich, stellt jedoch aufgrund mangelnder Standardisierung der Methode, Kontaminationsgefahren und hoher Kosten derzeit noch keine Routinemethode dar.

Der Nachweis von Aspergillus-Antigen hat sich demgegenüber als früher und sensitiver Marker einer invasiven Aspergillus-Infektion etabliert. Er ist ferner ein Diagnosekriterium einer wahrscheinlichen („probable“) invasiven Aspergillus-Infektion der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) und National Institute of Allergy and Infectious Diseases Mycoses Study Group (MSD) Konsensus-Gruppe (2).


Aspergillus-Antigen-Nachweis


Bei der Untersuchung auf Aspergillus-Antigen wird das Galaktomannan, ein Polysaccharid der Zellwand, mittels Enzymimmunoassay (ELISA) nachgewiesen. Das Galaktomannan wird während des Wachstums des Pilzes im Gewebe in die Blutbahn abgegeben und kann in Konzentrationen ab 1 ng/ml detektiert werden. Das Testergebnis wird quantitativ in Form eines Index angegeben. Kreuzreaktionen mit Zellwandbestandteilen von Candida spp. und anderen Pilzen treten nicht auf.

Der Aspergillus-Antigen-Nachweis wird primär im Serum durchgeführt. Bei klinischem Verdacht auf cerebrale Aspergillose sollte zusätzlich Liquor untersucht werden (5).

In Abhängigkeit des untersuchten Patientenkollektivs (Hämatologie, Transplantationspatienten, „probable“ oder „proven“ Aspergillus-Infektion etc.) liegt die Sensitivität und Spezifität des Tests bei 52 bis 100% bzw. 81 bis 100%.


Wie oft sollte der Aspergillus-Antigen-Nachweis durchgeführt werden?


Da es während einer Aspergillus-Infektion nicht zu einer kontinuierlichen Antigenämie kommt, zeigt das Galaktomannan im Serum eine kurzfristige Dynamik. Bei fortbestehendem klinischem Verdacht auf invasive Aspergillose sollte bei negativem Testergebnis daher zeitnah ein Folgeserum untersucht werden.

Ein generelles Screening mittels zweimalig pro Woche durchgeführter Aspergillus-Antigen-Nachweise kann bei Risikopatienten (siehe oben) eine frühzeitige Diagnosestellung einer invasiven Aspergillose ermöglichen. In mehreren Studien wurde gezeigt, dass der Galaktomannan-Nachweis dem Nachweis einer invasiven Aspergillose mittels anderer mikrobiologischer oder bildgebender Verfahren bei 30 bis 60% der Patienten um durchschnittlich 5 bis 8 Tage vorausging (1,4,11).

Da der Index-Wert des Aspergillus-Antigens im Serum bzw. Liquor mit dem Therapieerfolg korreliert, sind nach Diagnosestellung einer invasiven Aspergillose Kontrollen (etwa 1-2 Mal pro Woche) empfehlenswert (siehe auch Abbildung 2).





Grenzen der Methodik


Unter Therapie mit semisynthetischen Penicillin-Antibiotika (Amoxicillin, Amoxicillin/Clavulansäure, Piperacillin, Piperacillin/Tazobactam etc.) können falsch positive Ergebnisse aufgrund produktionsbedingter Reste von Pilzbestandteilen im Antibiotikum auftreten. Das Testergebnis kann noch Wochen nach Absetzen des Antibiotikums positiv ausfallen.

Bei negativem Testergebnis und anhaltendem Verdacht auf eine invasive Aspergillose sind kurzfristige Kontrollen empfehlenswert, um auch kurzzeitige Antigenämien zu detektieren.

Ein positives Testergebnis weist auf das Vorhandensein von Galaktomannan in der Probe und damit auf eine invasive Aspergillus-Infektion hin. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass ein niedriger Cut-off-Index von 0,5 einen hoch sensitiven Nachweis von Galaktomannan im Serum ermöglicht (7). Dieser niedrige Index wird auch in unserem Labor als Grenzwert für die Beurteilung des Testergebnisses herangezogen. Ein niedriger Cut-off-Index erhöht jedoch das Risiko falsch positiver Ergebnisse durch das ubiquitäre Vorhandensein von Aspergillus-Sporen in der Raumluft oder im Probengefäß. Positive Ergebnisse mit einem niedrigen Index-Wert von 0,5 bis 1 sollten daher stets kurzfristig in einer neuen Probe kontrolliert werden!


Dauer der Untersuchung und Abrechnung


Die Untersuchung auf Aspergillus-Antigen wird von Montag bis Freitag durchgeführt und dauert in der Regel einen Tag. Die Abrechnung erfolgt nach EBM (Nr. 32686) bzw. GOÄ (Ziffer 4713).

 


Wann ist zusätzlich der Nachweis von Aspergillus-Antikörpern indiziert?


Neben der Bestimmung von Aspergillus-Antigen ist auch der Nachweis von Antikörpern gegen Aspergillus spp. im Serum möglich. Risikopatienten für eine invasive Aspergillose weisen jedoch in der Regel eine verminderte humorale Immunantwort auf. Ferner ist der Antikörper-Nachweis für eine frühzeitige Diagnosestellung ungeeignet, so dass der Antikörper-Diagnostik zum Nachweis einer invasiven Aspergillose keine Bedeutung zukommt.

Bei klinischem Verdacht auf ein Aspergillom, d.h. dem lokalen Wachstum von Aspergillus spp. in einem vorbestehenden Hohlraum, wie zum Beispiel in den Nasennebenhöhlen oder in der Lunge (Emphysemhöhle, Kaverne nach Tuberkulose), ist die Antikörper-Diagnostik jedoch für die Diagnosestellung geeignet.


Literatur


  1. Busca, A., F. Locatelli, A. Barbui, G. Limerutti, R. Serra, D. Libertucci, and M. Falda. 2006. Usefulness of sequential Aspergillus galactomannan antigen detection combined with early radiologic evaluation for diagnosis of invasive pulmonary aspergillosis in patients undergoing allogeneic stem cell transplantation. Transplant.Proc. 38: 1610-1613.
     
  2. De, P. B., T. J. Walsh, J. P. Donnelly, D. A. et al.. 2008. Revised definitions of invasive fungal disease from the European Organization for Research and Treatment of Cancer/Invasive Fungal Infections Cooperative Group and the National Institute of Allergy and Infectious Diseases Mycoses Study Group (EORTC/MSG) Consensus Group. Clin.Infect.Dis. 46:1813-1821.
     
  3. Denning, D. W. 1996. Therapeutic outcome in invasive aspergillosis. Clin.Infect.Dis. 23:608-615.
     
  4. Foy, P. C., J. A. van Burik, and D. J. Weisdorf. 2007. Galactomannan antigen enzyme-linked immunosorbent assay for diagnosis of invasive aspergillosis after hematopoietic stem cell transplantation. Biol.Blood Marrow Transplant. 13:440-443.
     
  5. Klont, R. R., M. A. Mennink-Kersten, and P. E. Verweij. 2004. Utility of Aspergillus antigen detection in specimens other than serum specimens. Clin.Infect.Dis. 39:1467-1474.
     
  6. Lin, S. J., J. Schranz, and S. M. Teutsch. 2001. Aspergillosis case-fatality rate: systematic review of the literature. Clin.Infect.Dis. 32:358-366.
     
  7. Maertens, J. A., R. Klont, C. Masson et al. 2007. Optimization of the cutoff value for the Aspergillus doublesandwich enzyme immunoassay. Clin.Infect.Dis. 44: 1329-1336.
     
  8. Pagano, L., C. Girmenia, L. Mele et al. 2001. Infections caused by filamentous fungi in patients with hematologic malignancies. A report of 391 cases by GIMEMA Infection Program. Haematologica 86:862-870.
     
  9. Pfaller, M. A., Pappas, P. G., Wingard, J. R. 2006. Invasive fungal pathogens: Current epidemiological trends. Clin.Infect.Dis. 43: S3-14.
     
  10. Singh, N. and D. L. Paterson. 2005. Aspergillus infections in transplant recipients. Clin.Microbiol.Rev. 18:44-69.
     
  11. Sulahian, A., F. Boutboul, P. Ribaud, T. Leblanc, C. Lacroix, and F. Derouin. 2001. Value of antigen detection using an enzyme immunoassay in the diagnosis and prediction of invasive aspergillosis in two adult and pediatric hematology units during a 4-year prospective study. Cancer 91:311-318.
     

April 2009

Prof. Dr. med. Nele Wellinghausen
Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Telefon (0 75 1) 502-220


Dr. med. Ursula Weber
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Fachärztin für Kinderheilkunde, Allergologie
Tel. (0 75 1) 502-210