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T-Spot.TB – neuer Labortest zur Tuberkulosediagnostik


Jährlich erkranken mehr als 5000 Menschen in Deutschland an einer Tuberkulose. Eine weitaus größere Zahl von Patienten weist ferner eine latente Infektion mit Mycobacterium tuberculosis auf. Diese kann durch eine lange zurückliegende Infektion oder durch Kontakt mit einem Patienten mit offener Tuberkulose verursacht sein. Der Nachweis einer latenten Tuberkulose ist entscheidend für die Bekämpfung einer Ausbreitung der Tuberkulose sowie für die Verhinderung einer Reaktivierung nach Applikation immunsuppressiver Medikamente, wie zum Beispiel TNF-a-Antagonisten.


Bislang stellte der Tuberkulin-Hauttest die wichtigste Diagnosemethode einer latenten Tuberkulose dar. Der Tuberkulin-Hauttest weist jedoch eine vergleichsweise geringe Sensitivität und Spezifität auf. Positive Ergebnisse finden sich nicht nur bei Patienten mit latenter oder aktiver Tuberkulose, sondern auch nach BCG-Impfung sowie bei Infektion durch einige nichttuberkulöse Mykobakterien.


 Neue Laborverfahren, wie der T-Spot.TB-Test, erlauben einen schnellen, sensitiven und spezifischen Nachweis einer latenten Tuberkulose (1-4).

Prinzip des T-Spot.TB-Tests


Das Prinzip des T-Spot.TB-Tests beruht auf dem Nachweis der Interferon (IFN)-g-Bildung von T-Lymphozyten, die mittels M. tuberculosis-spezifischer Antigene (ESAT-6 und CFP-10) ex vivo stimuliert werden. Dazu werden aus heparinisiertem Vollblut Lymphozyten isoliert und mit den M. tuberculosisspezifischen Antigenen über Nacht inkubiert. Anschließend wird die Zahl der IFN-g-bildenden Lymphozyten mit der ELISPOT-Technik ermittelt. Die Spezifität des Tests beträgt 83 - 99% und die Sensitivität 90 - 100% (1-4).


Indikationen für den T-Spot.TB-Test


Der T-Spot.TB-Test ist insbesondere bei folgenden Fragestellungen indiziert:


Untersuchung von Kontaktpatienten bei nachgewiesenen Fällen von offener Tuberkulose
Screening von Mitarbeitern im Gesundheitswesen
Screening von Risikopatienten, wie Patienten mit Migrationshintergrund, Immunsupprimierten, HIV-Patienten
Ausschluss einer latenten Tuberkulose vor Durchführung einer immunsuppressiven Therapie, insbesondere vor Einsatz von TNF-a-hemmenden Substanzen bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis
Nachweis einer Infektion mit M. tuberculosis bei Patienten mit klinischem Verdacht auf Tuberkulose aber negativem Tuberkulin-Hauttest (Der T-Spot.TB-Test ersetzt hier jedoch nicht den kulturellen Erregernachweis!)

Vorteile des T-Spot.TB-Tests gegenüber dem Tuberkulin-Hauttest


Der Test wird durch eine frühere BCG-Impfung nicht beeinflusst
Objektive Testergebnisse durch standardisierte Labortestung
Schnelle Ergebnisverfügbarkeit (Testdauer 24 Stunden)
Einmalige Blutentnahme (kein erneuter Praxisbesuch zur Beurteilung erforderlich)
Der T-Spot.TB-Test ist auch bei immungeschwächten Patienten, wie hämatologisch-onkologischen und HIVPatienten, einsetzbar (5)
Keine falsch positiven Ergebnisse bei Infektionen mit den meisten nichttuberkulösen Mykobakterien, außer M. kansasii, M. szulgai und M. marinum

Bewertung der Testergebnisse


Ein positives Ergebnis des T-Spot.TB-Tests zeigt eine latente oder aktive Infektion mit M. tuberculosis an. Die Unterscheidung einer zurückliegenden, nicht behandlungsbedürftigen Infektion von einer aktiven Tuberkulose ist mit dem T.Spot. TB-Test jedoch nicht möglich. Hierzu sind weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich.

Bei einem negativen Testergebnis liegt zum Zeitpunkt der Untersuchung mit großer Wahrscheinlichkeit keine latente oder aktive Tuberkulose vor. Nach Kontakt zu einem Patienten mit offener Tuberkulose sind zum Ausschluss einer erfolgten Ansteckung Wiederholungsuntersuchungen erforderlich, da im T-Spot.TB-Test erst ca. 6 - 8 Wochen nach Kontakt ein positives Ergebnis zu erwarten ist.

Für den Einsatz des T-Spot.TB-Tests zur Therapiekontrolle von Tuberkulose-Patienten oder zur Abschätzung des Erkrankungsrisikos bei latenter Tuberkulose liegen bislang keine ausreichenden Daten vor.

In 3 - 4% der Fälle ist mit einem unbestimmten Ergebnis aufgrund unspezifischer oder mangelnder Stimulation der Patientenlymphozyten zu rechnen. In diesen Fällen sollte eine Wiederholungsuntersuchung durchgeführt werden.


Untersuchungsmaterial und Abrechnung


Für den T-Spot.TB-Test werden mind. 7 ml, bei Kindern mind. 2 - 4 ml, frisches, heparinisiertes Vollblut benötigt (Lithium-Heparin-Röhrchen, Fa. Sarstedt, können über die WKG Labor GmbH bezogen werden). Das Untersuchungsmaterial muss nach der Probennahme gründlich gemischt werden (mehrfach vorsichtig Über-Kopf-Schwenken). Der Transport erfolgt bei Raumtemperatur. Die Probe darf nach Abnahme bis zum Eintreffen in unserem Labor nicht länger als 8 h unterwegs sein.

Der Test wird täglich von Montag bis Donnerstag durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt nach EBM- bzw. GOÄ-Katalog. Da es sich um eine meldepflichtige Erkrankung handelt, kann die Ausnahmekennziffer EBM 32006 angegeben werden.


Literatur


Meier T, Eulenbruch HP, Wrighton-Smith P, Enders G, Regnath T: Sensitivity of a new commercial enzymelinked immunospot assay (T SPOT-TB) for diagnosis of tuberculosis in clinical practice. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2005, 24, 529-536
Pai M, Zwerling A, Menzies D: Systematic review: T-cellbased assays for the diagnosis of latent tuberculosis infection: an update. Ann Intern Med 2008, 149, 177-184.
Higuchi K, Kawabe Y, Mitarai S, Yoshiyama T, Harada N, Mori T: Comparison of performance in two diagnostic methods for tuberculosis infection. Med Microbiol Immunol 2009, 198, 33-37.
Ewer K, Deeks J, Alvarez L, Bryant G, Waller S, Andersen P, Monk P, Lalvani A: Comparison of T-cell-based assay with tuberculin skin test for diagnosis of Mycobacterium tuberculosis infection in a school tuberculosis outbreak. Lancet 2003, 361, 1168-1173.
Piana F, Codecasa LR, Cavallerio P, Ferrarese M, Migliori GB, Barbarano L, Morra E, Cirillo DM: Use of a T-cellbased test for detection of tuberculosis among immunocompromised patients. Eur Respir J 2006, 28, 31-34.

April 2009

Prof. Dr. med. Nele Wellinghausen
Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Telefon (0 75 1) 502-220


Dr. med. Ursula Weber
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Fachärztin für Kinderheilkunde, Allergologie
Tel. (0 75 1) 502-210