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Laboreport 42



Schnelldiagnostik von Legionellen-Infektionen


Legionellen sind gram-negative Stäbchenbakterien, die ubiquitär in natürlichen und künstlichen Wasserquellen (Flüssen, Seen, Wasserversorgungssystemen) vorkommen. Zur Gattung Legionella zählen mehr als 40 verschiedene Arten, wobei Legionella pneumophila für etwa 90% der Erkrankungen verantwortlich ist.


Klinik, Epidemiologie und Prognose der Legionellen-Infektion


Die Infektion mit Legionellen erfolgt in der Regel durch Inhalation erregerhaltiger Aerosole. Eine Legionellen-Infektion äußert sich klinisch entweder in einer grippeähnlichen, ca. 2-3 Tage anhaltenden Erkrankung, dem sog. Pontiac-Fieber, oder in der schwerwiegenden Legionärserkrankung. Diese stellt eine Broncho- oder Lobärpneumonie mit systemischen Begleitsymptomen dar. Die Letalität der Legionellen-Pneumonie beträgt etwa 13%, wobei hospitalisierte Patienten eine wesentlich schlechtere Prognose als ambulante Patienten aufweisen (1).

In Deutschland werden etwa 4% der ambulant erworbenen Pneumonien bei Erwachsenen durch Legionellen verursacht. Dies entspricht mind. 15.000 - 30.000 Fällen pro Jahr (1). Zusätzlich werden Legionelloseausbrüche durch kontaminerte Klimaanlagen oder Wassersysteme beobachtet.

Aufgrund der natürlichen Resistenz von Legionellen gegenüber Betalaktam-Antibiotika, werden Legionellen-Pneumonien häufig inadäquat antibiotisch therapiert. Die Therapie der Wahl besteht in der Gabe eines Makrolid- oder Chinolon-Antibiotikums.

 


Diagnostik von Legionellen-Infektionen


Ein schneller Nachweis einer Legionellen-Pneumonie ist für den Beginn einer adäquaten antibiotischen Therapie dringend erforderlich. Aufgrund des langsamen Wachstums auf Spezialnährmedien ist der klassische kulturelle Nachweis von Legionellen als Akutdiagnostik wenig geeignet. Als Schnelldiagnostik bei Verdacht auf Legionellen-Pneumonie stellt der Antigennachweis im Urin die Diagnostik der Wahl dar (2). Für spezielle Fragestellungen, zum Beispiel Patienten mit Nierenversagen, steht zusätzlich der DNANachweis mittels PCR aus respiratorischen Sekreten (BAL, Sputum etc.) zur Verfügung. Bei bereits länger bestehender Klinik können ferner spezifische Antikörper im Serum bestimmt werden.


Legionellen-Antigennachweis im Urin


Der Legionellen-Antigennachweis im Urin hat eine Sensitivität von 65-100% und eine Spezifität von annähernd 100% für den Nachweis von Legionella pneumophila Serogruppe 1, welche die klinisch bedeutsamste Serogruppe darstellt (2-4). Andere Serogruppen von L. pneumophila und weitere Legionellen-Spezies werden mit geringerer Sensitivität ebenfalls nachgewiesen (5).

Der Legionellen-Antigennachweis im Urin ist grundsätzlich bei allen hospitalisierten Patienten mit dem klinischen Bild einer atypischen Pneumonie indiziert, insbesondere jedoch bei


Patienten mit schwerer Pneumonie, die eine intensivmedizinische Behandlung erfordert
Patienten > 65 Jahre
Immunsupprimierten
Rauchern
Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen
Patienten mit kürzlich zurückliegendem Auslandsaufenthalt (Klimaanlagen!)

Grenzen der Methode


Da im Frühstadium der Legionellose die Antigenausscheidung im Urin noch gering sein kann, sollte bei entsprechender Klinik und zunächst negativem Antigennachweis im Urin eine kurzfristige Kontrolle erfolgen und ggf. zusätzlich ein DNA-Nachweis aus respiratorischem Sekret versucht werden.

Der Test eignet sich nicht zur Therapiekontrolle, da das Legionellen-Antigen auch nach erfolgreicher Therapie über mehrere Wochen ausgeschieden werden kann.

Bei nosokomialen Legionellosen werden häufiger als im ambulanten Bereich andere Legionellen-Spezies als L. pneumophila beobachtet, so dass hier die zusätzliche kulturelle Anzüchtung aus respiratorischen Materialien sinnvoll ist.


Dauer der Untersuchung und Abrechnung


Der Legionellen-Antigennachweis im Urin wird in unserem Labor täglich durchgeführt. Er ist sowohl im kassenärztlichen als auch im privatärztlichen Bereich abrechenbar. Da es sich um einen meldepflichtigen Erreger handelt, kann die Ausnahmekennziffer EBM 32006 angegeben werden.


Literatur


  1. von Baum H, Ewig S, Marre R, Suttorp N, Gonschior S, Welte T, Lück C: Community-acquired Legionella pneumonia: New insights from the German Competence Network for Community Acquired Pneumonia (CAPNETZ). Clin Infect Dis 2008, 46, 1356-1364.
  2. Murdoch DR: Diagnosis of Legionella infection. Clin Infect Dis, 2003, 36,64-69.
  3. Guerrero C, Toldos CM, Yagüe G, Ramírez C, Rodríguez T, Segovia M: Comparison of diagnostic sensitivities of three assays (Bartels EIA, Biotest EIA, and Binax NOW immunochromatographic test) for detection of Legionella pneumophila serogroup 1 antigen in urine. J Clin Microbiol 2004, 42, 467-468.
  4. Helbig JH, Uldum SA, Bernander S, Lück PC, Wewalka G, Abraham B, Gaia V, Harrison TG: Clinical utility of urinary antigen detection for diagnosis of communityacquired, travelassociated, and nosocomial Legionnaires‘ diseases. J Clin Microbiol, 2003, 41, 838-840.
  5. Benson RF: Evaluation of the Binax and Biotest urinary antigen kits for detection of Legionnaires‘ disease due to multiple serogroups and species of Legionella. J Clin Microbiol 2000, 38, 2763-2765.

Januar 2009

Prof. Dr. med. Nele Wellinghausen
Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Telefon (0 75 1) 502-220


Dr. med. Ursula Weber
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Fachärztin für Kinderheilkunde, Allergologie
Tel. (0 75 1) 502-210


Dr. med. Torsten Schmidt-Wieland
Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie