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Glykopeptid-resistente Enterokokken (GRE) im Krankenhaus (Synonym: Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) )


In den letzten Jahren wurde in den USA eine Zunahme von Glykopeptid-resistenten Enterokokkenstämmen auf Werte von bis zu 50% beschrieben (3, 5). Hiervon waren hauptsächlich Enterococcus faecium-Stämme betroffen. In Europa wurden Zahlen von 2-5% beschrieben (9), es liegen aber auch Daten von 10% und mehr Glykopeptid-resistente Enterokokkenstämme vor (6, 10).

Beim VanA-Genotyp besteht eine Hochresistenz gegen Vancomycin und eine Resistenz gegen Teicoplanin, beim VanBGenotyp eine Resistenz gegen Vancomycin, Teicoplanin bleibt wirksam. Eine Spezies-Bestimmung der Enterokokkenisolate ist bei Vancomycin-Resistenz notwendig, um die natürliche VanC1- und C2-Resistenz bei E. gallinarum und E. casseliflavus zu erkennen, die nicht übertragbar ist.


Phänotypische Merkmale und Vorkommen der Genotypen der Glykopeptidresistenz bei Enterokokken


Genotyp MHK-Bereich (mg/l) Induzierbarkeit Vorkommen genet.Determinanten
vanA VAN 32-1024
TPL ≤ 16
VAN, TPL, AVO E. faecium
E. faecalis
E. durans
E. gallinarum
E. casseliflavus
Transposons, auf konjugative Plasmide übertragbar
vanB VAN 16-32
(-1024)
TPL 0,5-1
VAN
(AVO)
E. faecium
E. faecalis
meist chromosomal,
Übertragbarkeit gering
vanC-1 VAN 8-16
TPL 0,5-1
konstitutiv E. gallinarum
(nat. Resistenz)
chromosomal,
nicht übertragbar
vanC-2 VAN 8-16
TPL 0,5-1
konstitutiv E. casseliflavus
E. flavescens
(nat. Resistenz)
chromosomal,
nicht übertragbar

Nach Witte, W. et al. (11)

VAN=Vancomycin, TPL=Teicoplanin, AVO=Avoparcin


Bestimmte Patienten haben ein höheres Risiko mit GRE infiziert oder kolonisiert zu sein. Dies sind immunsupprimierte Patienten (Intensivstationen, Onkologie, Transplantationsabteilungen), Patienten mit intraabdominellen oder Herz-Thorax-Operationen, Patienten mit länger liegenden Urinoder zentralvenösen Kathetern und Patienten mit langandauernder Antibiotikatherapie, besonders auch nach Therapie mit Vancomycin (4,11). Das Reservoir der Enterokokken ist der Gastrointestinaltrakt des Patienten. Obgleich die meisten Enterokokkeninfektionen endogener Natur sind, ist die horizontale Verbreitung dieses Erregers im Krankenhaus vermehrt beschrieben worden (2, 3, 5, 6, 7, 9). Dies veranlasste das HICPAC (Hospital Infection Control Practices Advisory Committee, USA) 1995 Empfehlungen herauszugeben,
die eine Weiterverbreitung von GRE im Krankenhaus verhindern sollen (4). Dazu liegt eine Stellungnahme von W. Witte et al. vor (11). Zusätzlich hat auch die Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA) Empfehlungen herausgegeben (8). Basierend auf diesen drei Publikationen sind die folgenden Empfehlungen verfasst:


Allgemeines


Die häufigsten Nachweisorte von GRE sind Stuhl und Urin des Patienten. Eine besondere Gefährdung bezüglich der Verbreitung des Erregers stellen Patienten mit GRE-Nachweis im Stuhl bei bestehender Diarrhoe, Inkontinenz oder Colostoma dar.
Da der Darm als Reservoir der Erreger dient, sind Dekontaminationsversuche, wie sie bei MRSA durchgeführt werden, nicht erfolgversprechend.
Die Übertragung erfolgt im Wesentlichen durch Schmierinfektionen (Hände, kontaminierte Gegenstände, patientennahe Flächen).
Eine wichtige Maßnahme zur Vermeidung der Vancomycin-Resistenz ist der zurückhaltende Einsatz von Vancomycin und Teicoplanin in der Therapie.

Bei folgenden Indikationen wird ein Einsatz dieser Substanzen empfohlen:

Behandlung von schweren Infektionen durch grampositive Erreger mit Resistenz gegen ß-Laktamantibiotika (z. B. MRSA) oder bei Allergie gegen ß-Laktamantibiotika
Behandlung von Clostridium difficile – Enterocolitis erst nach Versagen einer Metronidazol-Therapie oder bei lebensbedrohlichen Situationen
Endokarditisproyhylaxe bei Patienten mit hohem Risiko entsprechend den Empfehlungen der AmericanHeart Association (1)
Prophylaxe bei Implantation von Gelenkersatz oder Gefäßprothesen mit hohem Risiko für MRSA oder MRSE.

Prophylaxe bei Implantation von Gelenkersatz oder


 
Information Personal
  • Das Krankenhauspersonal muss unverzüglich informiert werden. Die Krankenakten sind entsprechend zu kennzeichnen.
  • Einzelzimmer
  • Einzelzimmer. Kohortenisolierung ist möglich. Alle Maßnahmen am Patienten sollten im Zimmer durchgeführt werden (z. B. Krankengymnastik). Transporte im Krankenhaus auf ein Minimum beschränken. Patienten mit GRE dürfen nicht mit Patienten mit MRSA zusammengelegt werden!
  • Schild an der Tür: z. B. „Besucher bitte beim Stationspersonal melden“; bei Visiten Patientenkurve etc. vor dem Zimmer belassen
  • es empfiehlt sich eine patientenbezogene Betreuung
  • Einmalhandschuhe
  • immer bei Kontakt mit dem Patienten oder mit dessen Sekreten
  • Handschuhe wechseln, wenn anschließend eine Tätigkeit an nicht infizierten (kolonisierten) Körperstellen vorgenommen wird
  • Händedesinfektion
  • tägliche Flächendesinfektion sowie Schlussdesinfektion (Fußböden, patientennahe Flächen) mit einem DGHM gelisteten Mittel (1-Stunden-Wert)
  • Mund- u. Nasenschutz
  • nicht erforderlich
  • Untersuchungs- und Pflegeutensilien
  • patientenbezogen einsetzen (auch Stethoskope, Blutdruckgeräte etc.)
  • evtl. nach Gebrauch desinfizieren
  • nur geringe Menge an Pflegeutensilien im Zimmer belassen
  • Transport im Krankenhaus
  • nur bei dringender Indikation, vorher ggf. Verbandswechsel (Verband muss trocken sein)
  • Transportliege benutzen, diese anschließend wischdesinfizieren und frisch beziehen
  • vor Verlassen des Zimmers muss der Patient die Hände desinfizieren und einen Schutzkittel tragen
  • Begleitpersonal: frischen Schutzkittel anziehen (bei Rückkehr im Patientenzimmer lassen) und Hände desinfizieren
  • Müllentsorgung
  • Abfälle im Zimmer sammeln
  • sämtlichen Müll (z. B. auch Verbandsmüll) zum Hausmüll, täglich entsorgen
  • Bettwäsche
  • Bettenmachen ohne starkes Aufschütteln
  • Bettwäsche und Wäsche im Zimmer im Stoffsack sammeln; als Transportschutz in Plastiksack stecken
  • übliches Waschverfahren für Krankenhauswäsche (DGHM-Verfahren, ggf. RKI-Verfahren)
  • Verlegung in andere Institutionen
  • Institution benachrichtigen
  • Krankenwagenpersonal informieren
  • ansonsten siehe Transport im Krankenhaus
  • Untersuchung zum Nachweis einer Kolonisierung Abstriche folgender Körperregionen:
  • Rektalabstrich (ggf. Patientenstuhl)
  • Urinkatheter (ggf. aus Urinprobe)
  • ggf. Wundabstrich

  • Bei Verdacht auf nosokomiale Übertragung:
  • Rektalabstrich (ggf. Stuhluntersuchung), Mitpatienten bis zum Negativbefund in Isolation belassen
  • Therapie Nur klinisch manifeste Infektionen müssen antibiotisch behandelt werden. Da bei GRE-Stämmen meist eine Resistenz gegen alle ß-Laktamantibiotika vorliegt und oft auch eine Hochresistenz gegen Gentamicin und/oder Streptomycin, stehen bei E. faecium (vanA-Typ) Linezolid und Quinupristin/Dalfopristin zur Verfügung, bei den selten vorkommenden E. faecalis-Isolaten (vanA-Typ) nur Linezolid. Beim vanB-Typ kann zusätzlich Teicoplanin eingesetzt werden. Eine weitere Therapieoption dürfte sich durch das kurz vor der Zulassung stehende Antibiotikum Daptomycin ergeben.
    Aufhebung der Isolation Anders als bei MRSA, ist es kaum möglich, eine GRE-Besiedelung durch hygienische oder therapeutische Maßnahmen zu beenden. Langandauernde Besiedelungen sind häufig, durchaus auch nach antibiotischer Therapie einer Infektion. Eine Kontrolle kann durch drei negative Abstriche erfolgen: Rektalabstrich, Perineal- Region, ggf. Urinkatheter, Wunde, Colostomabereich. Der Abstand zwischen den Abnahmen sollte mindestens 48h betragen (www.med.uni-bonn.de), das HICPAC empfiehlt einen Abstand von einer Woche.
    Ist die Aufenthaltsdauer des Patienten im Krankenhaus absehbar, kann von Kontrollabstrichen abgesehen werden. Dem weiterbehandelnden Arzt muss über die GRE-Kolonisierung Mitteilung gemacht werden.

    Literatur


    1. American Heart Association Committee on rheumatic fever and infective endocarditis. 1984. Prevention of bacterial endocarditis. Circulation 70:1123-4.
    2. Boyce J. M., S. M. Opal, J. W. Chow, et al. 1994. Outbreak of multi-drug resistant Enterococcus faecium with transferable vanB class vancomycin resistance. J. Clin. Microbiol. 32:1148-53.
    3. Centers for Disease Control and Prevention. 1999. National nosocomial infections surveillance (NNIS) system report, data summary from January 1990 – May 1999. Am. J. Infect. Control 27:520-32.
    4. Centers for Disease Control and Prevention. 1995. Recommendations for preventing the spread of vancomycin resistance. Recommendations of the Hospital Infection Control Practices Advisory Committee (HICPAC). MMWR, 44:No RR12, 1-13.
    5. Gold H. S. 2001. Vancomycin-resistant enterococci: mechanisms and clinical observations. Clin. Infect. Dis. 33:210-9.
    6. Goossens H., D. Jabes, R. Rossi, C. Lammens, G. Privitera, P. Courvalin. 2003. European survey of vancomycin- resistant enterococci in at-risk hospital wards and in vitro susceptibility testing of ramoplanin against these isolates. J. Antimicrob. Chemother. 51:5-12.
    7. Karanfil L. V., M. Murphy, A. Josephson et al. 1992. A cluster of vancomycin-resistant Enterococcus faecium in an intensive care unit. Infect. Control. Hosp. Epidemiol. 13:195-200.
    8. Muto C. A., J. A. Jernigen, B. E. Ostrowsky, H. M. Richet, W. R. Jarris, J. M. Boyce, B. M. Farr. 2003. SHEA guideline for preventing nosocomial transmission of multidrug-resistant strains of Staphylococcus aureus and Enterococcus. Infect. Control. Hosp. Epidemiol. 24:362-86.
    9. Schonten M. A., J. A. A. Hoogkamp-Konstanje, J. F. G. Meis, A. Voss, and the European VRE Study Group. 2000. Prevalence of vancomycin-resistant enterococci in Europe. Eur. J. Clin. Microbiol. Infect. Dis. 19:816-22.
    10. Werner G., R. J. L Willems, B. Hildenbrandt, I. Klare, and W. Witte. 2003. Influence of transferable genetic determinants on the outcome of typing methods commonly used for Enterococcus faecium. J. Clin. Microbiol. 41:1499-1506.
    11. Witte W., D. Heuck, I. Klare, E. Kniehl. 1996. Stellungnahme zu „Recommendations for preventing the spread of vancomycin resistance“ (HICPAC). Hospital Infection Control Practices, Advisory Committee, MMWR. Vol.:44, No. RR12, 1-13. Mikrobiologe 6:134-6.

    Februar 2006

    Dr. med. Torsten Schmidt-Wieland
    PD Dr. med. Guido Funke
    Fachärzte für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie