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Prophylaxe der Early-Onset Neugeborenensepsis mittels Screening auf Hämolysierende Streptokokken der Gruppe B bei Schwangeren

 

Streptokokken der Lancefield-Gruppe B (Streptococcus agalactiae, GBS) sind die häufigste Ursache schwerer Frühinfektionen des Neugeborenen (Manifestation innerhalb der ersten 7 Lebenstage, zum Beispiel als Sepsis, Meningitis oder neumonie). Die meisten Infektionen finden bereits intrauterin über das besiedelte Fruchtwasser statt. Betroffen sind zu ca. 80% reife Neugeborene (Mortalität ca. 4%). Das Risiko schwerer Verläufe steigt jedoch bei unreifen Frühgeborenen deutlich an.

 

Als Risikofaktoren für die Entstehung einer Early-Onset-Sepsis gelten:


Nachweis von GBS im Anogenitalbereich zum Zeitpunkt der Entbindung (10 bis 30% aller Schwangeren sind – in der Regel symptomlos – mit GBS besiedelt)
Hohe Keimdichte von GBS im Anogenitalbereich der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt
GBS-Bakteriurie während der Schwangerschaft (als Zeichen einer hohen Keimdichte im Anogenitalbereich)
Zustand nach Geburt eines anderen Kindes mit GBS-Infektion
Dauer zwischen Blasensprung und Entbindung ≥ 18 Stunden
Fieber unter der Geburt von ≥ 38 °C
Frühgeburt vor der vollendeten 37. Woche

Sowohl in Deutschland als auch in den USA wird ein generelles Screening auf GBS zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche empfohlen, um mittels einer gezielten Chemoprophylaxe die Häufigkeit der Neugeborenensepsis durch GBS zu senken. Durch diese Maßnahme lässt sich gegenüber dem früher üblichen, Risikobezogenen Vorgehen eine Reduktion der Fälle um ca. 50% erreichen.


Cystatin C (mg/l) GFR (ml/min) berechnet
Materialentnahme
  • Entnahme von Abstrichen von Introitus vaginae (Spekulumeinstellung nicht erforderlich) und Anorektum (mit Überwindung des Sphinkters) zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche
  • Einsendung der Abstriche in den üblichen Transportmedien
  • Lagerung bis zum Transport bei Raumtemperatur
Mikrobiologische Untersuchung Anzucht auf Selektivmedien mit anschließender Identifikation mittels Agglutination der Lancefield-Gruppe sowie ggf. biochemischen Methoden
Anforderung „Nur Untersuchung auf B-Streptokokken“ oder „GBS-Screening“ Entnahmelokalisation vermerken
Abrechnung
  • Unbudgetierte Untersuchung (Ausnahmekennziffer 32007 !) bei Kassenpatientinnen
  • bei Privatpatientinnen ca. 15 € + 4 € Material- u. Transportpauschale
  • IGEL möglich, aber nicht unbedingt notwendig (s. Kassen- und Privatpatientinnen)

Literatur


Empfehlung zur Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B.
Frauenarzt 45 Nr.9 (2004)
Centers for Disease Control and Prevention: Prevention of Perinatal Group B Streptococcal Disease. MMWR 51 No. RR-11 (2002); www.cdc.gov/mmwr/PDF/RR/RR5111.pdf

Oktober 2005

Dr. med. Torsten Schmidt-Wieland
PD Dr. med. Guido Funke

Fachärzte für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie