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Neue Marker bei Eisenmangel %Hypo (Anteil hypochromer Erythrozyten)


– HbR (CHr, Hämoglobingehalt der Retikulozyten) – Löslicher Transferrin-Rezeptor (sTfR)

 

Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Anämieform weltweit. Sie beruht überwiegend auf chronischen Blutverlusten (häufige Blutspenden, Menstruation, gastrointestinale Blutungen, blutende Tumoren), ein nutritiver Eisenmangel findet sich in unseren Regionen vor allem bei Kindern, Schwangeren und alten Menschen.

Hinweise auf eine Eisenmangelanämie können der niedrige MCV- und MCHC-Wert (hypochrome Anämie) im Blutbild geben, da diese Werte jedoch Mittelwerte über die gesamte Erythrozytenmenge sind, können sie beim nicht seltenen gleichzeitigen Vorliegen eines Mangels an Vitamin B12 oder Folsäure normal ausfallen. Der Serumeisenwert ist wegen großer Schwankungen kein zuverlässiger Parameter für die Diagnostik eines Eisenmangels.

Deutlich aussagekräftiger ist die Bestimmung des Serum-Ferritins. Ferritin ist das Eisenspeicher-Protein in den Makrophagen des retikulo-endothelialen Systems und in den Hepatozyten. Niedrige Serumwerte (< 15 µg/l bei Frauen und < 30 µg/l bei Männern) sprechen für eine Erschöpfung der Eisenspeicher und einen latenten oder manifesten Eisenmangel. In ca. 90 % der Fälle sichert die Ferritin-Bestimmung die Diagnose eines Eisenmangels.

Probleme treten bei der Anämie chronischer Erkrankungen (ACD) auf, die Begleitsymptom von Infektionen, malignen Erkrankungen und chronischen Entzündungen sein kann. Die Anämie ist Folge immunologischer Veränderungen, sie ist gekennzeichnet durch eine verkürzte Erythrozyten-Lebenszeit, eine Störung der Eisenverteilung mit funktionellem Eisenmangel (verminderte Freisetzung von Eisen aus den Eisen-speichernden Zellen, so dass für die Erythropoese nicht genügend Eisen verfügbar ist) und verminderte Erythropoietin-Synthese (wie auch bei chronischer Niereninsuffizienz). Daraus resultiert eine normochrome Anämie mit normalen MCV- und MCH-Werten, CRP ist oft erhöht. In ca. 20 % besteht zusätzlich ein echter Eisenmangel. Da Ferritin auch ein Akute-Phase-Protein ist, kommt es bei der ACD zu einem Ferritin-Anstieg, der die Erkennung eines Eisenmangels erschwert. Werte unter 100 µg/l können bei der ACD bereits auf einen Eisenmangel hinweisen. Auch die Transferrin-Sättigung ist bei der ACD kein geeigneter Parameter zur Diagnose eines Eisenmangels, da sowohl Transferrin als auch Eisen von der Eisenversorgung unabhängig verändert sein können und die Fehler beider Werte in die Transferrin-Sättigung eingehen.

Eine deutliche Verbesserung der Diagnostik eines Eisenmangels bei Vorliegen einer ACD und der Erfassung eines Funktions-Eisenmangels ergibt sich durch die Einführung von drei neuen Parametern:


Bestimmung des Anteils hypochromer Erythrozyten (% Hypo)
Bestimmung des Hämoglobingehaltes des einzelnen Retikulozyten (HbR, CHr)
Bestimmung des löslichen Transferrin- Rezeptors (sTfR)

%Hypo und HbR


Die Messtechnologie des ADVIA® 120 der Fa. Bayer erlaubt die Messung von Volumen und Hämoglobin-Gehalt einzelner Erythrozyten. So ist es möglich, den Anteil hypochromer Erythrozyten direkt zu bestimmen. In Kombination mit der Retikulozytenanalytik kann das Gerät auch den mittleren Hämoglobingehalt der Retikulozyten messen. Diese Parameter lassen sich ohne zusätzliche Kosten bei der Erstellung eines Blutbilds ermitteln, lediglich die Retikulozytendiagnostik verursacht Mehrkosten.

Da der Hämoglobingehalt der Einzelzelle von den Bedingungen während der Erythropoese abhängig ist, spiegelt der Anteil der hypochromen Erythrozyten (% Hypo) die Eisenversorgung der letzten Wochen wieder, der Hämoglobingehalt des Retikulozyten (HbR, CHr) ist wegen der kurzen Dauer des Retikulozytenstadiums von 1 - 2 Tagen ein Indikator der akuten Eisenverfügbarkeit. Die gemeinsame Bestimmung beider Parameter erlaubt die Unterscheidung verschiedener Zustände der Eisenversorgung:


Beurteilung der Eisenversorgung anhand von HbR und HYPO


HbR %Hypo Eisenversorgung
>= 28 pg <= 5 % Balance zwischen Eisenbedarf und Eisenversorgung
< 28 pg <= 5 % Aktueller Funktionseisenmangel
< 28 pg > 5 % Länger bestehender Funktionseisenmangel
(DD: ß-Thalassämie)
>= 28 pg > 5 % Ansprechen auf Eisensubstitution 5-10 Tage nach Therapiebeginn
Nach (1) - L. Thomas, C. Thomas: Anämien bei Eisenmangel ...

Die Erythropoietin- (rHuEpo-) Therapie bei der renalen Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz führt oft zu einem Funktionseisenmangel, weil nicht schnell genug Eisen aus dem Speichereisen für die gesteigerte Erythropoese bereitgestellt werden kann. Dies führt zu einem deutlichen Abfall des HbR-Wertes und einem Anstieg des % Hypo-Wertes. Eine zusätzliche Eisen-Substitution ist in diesen Fallen erforderlich, um eine ausreichende Stimulation der Erythropoese durch Erythropoietin zu erreichen. Das rechtzeitige Erkennen eines Funktionseisenmangels kann somit verhindern, dass es bei Nichtansprechen einer Therapie mit rHuEPO durch Erhöhung der Dosis zu einer deutlichen Kostensteigerung kommt. Unter der rHuEPO-Therapie sollte es bei ausreichender Eisenversorgung innerhalb von 10 Tagen zu einem deutlichen Anstieg von HbR und nach 2 Wochen zu einem deutlichen Abfall von % Hypo kommen.

Tessitore et al. (2) wiesen nach, dass %Hypo und HbR die effektivsten und kostengünstigsten Methoden zum Nachweis eines Funktionseisenmangels bei Hämodialyse-Patienten sind.


Löslicher Transferrin-Rezeptor (sTfR)


Eisenmangel führt zu vermehrter Synthese der zellulären Transferrin-Rezeptoren, die auch vermehrt von den Zellen abgelöst werden, so dass sTfR im Serum ansteigt. Allerdings führt auch eine gesteigerte Erythropoese (z. B. bei Blutungsanämie, hämolytischer Anämie oder
ß-Thalassämie; Schwangere im letzten Trimenon) zu erhöhten sTfR-Werten.

In der Arbeit von Tessitore (2) erwies sich sTfR nach %Hypo und HbR als bester Marker eines Funktionseisenmangels. Auch Thomas (3) verwendet HbR und sTfR (als sTfR/Ferritin-Index) zur Differenzierung der Eisenversorgung bei reinem Eisenmangel und bei der ACD


Untersuchungsmaterial


%Hypo und HbR:
Frisches EDTA-Blut (höchstens 6 Std. alt), Bestimmung im Rahmen eines kleinen Blutbildes mit Retikulozytenzählung; % Hypo wird in den Routine-Ausdruck beim kleinen Blutbild mit aufgenommen, HbR muss extra angefordert werden.

Löslicher Transferrin-Rezeptor (sTfR):
0.5 ml Serum


Literatur


  1. L. Thomas, C. Thomas: Anämien bei Eisenmangel und Störungen im Eisenstoffwechsel DMW 2002; 127, 1591-1594
  2. N. Tessitore et.al.: The role of iron status markers in predicting response to intravenous iron in haemodialysis patients on maintenance erythropoietin Nephrol.Dial.Transplant.(2001) 16: 1416-1423
  3. C. Thomas, L. Thomas: Biochemical Markers and Hematologic Indices in the Diagnosis of Functional Iron Deficiency Clinical Chemistry 48:7, 1066-1076 (2002)

April 2003

Dr. med. Klaus Upowsky

Arzt für Laboratoriumsmedizin