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Neue Labordiagnostik bei Rheumatoider Arthritis: Cartilage Oligomeric Matrix Protein (COMP)


Eine frühzeitige Diagnosestellung und Verlaufsabklärung der Rheumatoiden Arthritis ermöglicht eine rechtzeitige spezifische Therapie mit dem Ziel, einer irreversiblen Gelenks-Zerstörung ausreichend entgegenzuwirken. Standard-Tests zur Bestimmung der entzündlichen Krankheitsaktivität, wie die Bestimmung des CRP und die Blutsenkungs-Geschwindigkeit (BSG), sagen jedoch nichts über das Ausmaß des Knorpelabbaus und der Gelenkzerstörung aus. Es ist bekannt, dass Patienten mit niedrigen Werten der klassischen Entzündungsmarker ganz beträchtliche Gelenkschäden entwickeln können, wohingegen andere Patienten mit hohen CRP- oder BSG-Werten nur geringe Gelenkschäden aufweisen. In den letzten Jahren konnten verschiedene Matrix-Makromoleküle identifiziert werden, die während der Gelenkschädigung über die Synovialflüssigkeit ins Blut abgegeben werden (Cawston & Griffiths 2001). Einer der am besten untersuchten Marker für klinische Anwendungen ist das Cartilage Oligomeric Matrix Protein (COMP).

COMP ist ein ca. 150 kD großes oligomeres Bruchstück des intakten Knorpel-Matrix-Proteins (434 kD). Das Knorpel-Matrix-Protein dient dem Aufbau des Gelenksknorpels, der Formation von Kollagen II und der Stabilisierung der Kollagen-Matrix. Bei Gelenkserkrankungen mit erhöhtem Abbau von Knorpelsubstanz ist die Serum-Konzentration der Oligomeren-Bruchstücke (COMP) signifikant höher (Marti et al. 1999). Dieses Phänomen kann diagnostisch genutzt werden zur:


Identifizierung von Patienten mit voraussichtlich schnellem Verlauf der Gelenkzerstörung für eine frühzeitige aggressive Behandlung
Überwachung des Knorpelabbaus bei Besserung der Krankheitssymptome aufgrund entzündungshemmender Behandlung
Überwachung des Therapieverlaufs

Die COMP-Konzentration gibt unabhängig von den Entzündungsparametern CRP und BSG sowie dem Rheumafaktor Aufschluß über den aktuellen Zustand der Gelenk-Knorpel (Roux-Lombard et al. 2001). Bei der COMP-Verlaufsbestimmung lassen sich Patienten mit geringer Variabilität der COMP-Werte (wie bei Gesunden) von Patienten mit hoher Variabilität der COMP-Werte unterscheiden (Forslind et al. 1992).


Bestimmung von CRP/BSG und COMP zur Erkennung von Risikopatienten
COMP normal
(< 15 U/l)
COMP erhöht
(>= 15 U/l)
CRP und BSG normal Patient ist gut unter Kontrolle



Behandlung entsprechend normaler Routine
Aktiver Knorpelabbau

Keine Entzündung

Erwägung einer Therapie mit Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs
CRP und / oder BSG erhöht Kein oder geringer Knorpelabbau

Aktive Entzündung

Erwägung einer Therapie mit Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs
Aktiver Knorpelabbau

Aktive Entzündung

Erwägung einer aggressiveren Behandlungsform

Es empfiehlt sich, COMP im Serum wie folgt zu bestimmen


Zur Eingangsdiagnostik bei Verdacht auf Rheumatoide Arthritis (mit CRP)
Im 3-6 Monate-Intervall bei Patienten mit COMP-Schwankungen > 2,5 U/l
1-2x pro Jahr bei Patienten mit stabilen COMP-Werten, < 1,5 U/l zum Vorwert
3 Monate nach Therapieänderung
Bei signifikanter Änderung der klinischen Symptome

 
Material: 0,2 ml Serum
Referenzbereich: > 15 U/l
Erhöhter Knorpel-Turnover / Knorpelzerstörung: 15 - 20 U/l
Stark erhöhter Knorpel-Turnover / Knorpelzerstörung mit hohem Risiko für Krankheitsprogression: >= 20 U/l
Methode: ELISA
Gebührenziffer: EBM OIII, Katalog 4288, 25,60 €
(Befreiungsziffer 3499 vom Laborbudget beachten!)
GOÄ, Katalog 4062, 480 Punkte, 1,15-fach: 32,18 €

(Literatur beim Verfasser)

Dr. Diethard Müller
Tel.: (0751) 502 - 640