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Allergologische in-vitro-Diagnostik
Rationales Testspektrum für die Primärdiagnostik

 

Die Untersuchung auf allergenspezifisches IgE ist eine wertvolle in-vitro-Methode und eine bewährte Säule in der Diagnostik allergischer Erkrankungen.

Der Nachweis von spezifischem IgE im RAST, EAST oder CAP zeigt an, daß im Serum IgE-Antikörper gegen ein bestimmtes Allergen vorliegen. Das Vorhandensein von spezifischen IgE-Antikörpern (zirkulierende, humorale Antikörper) besagt aber noch nicht, daß diese für die vorliegende Erkrankung oder allergische Erscheinung kausal verantwortlich sind. Für die klinische Aktualität entscheidend sind Anamnese und ggf. Provokation.

Die Untersuchung auf spezifisches IgE ist als Suchtest ungeeignet. Die Auswahl der Allergene sollte gezielt entsprechend der Anamnese erfolgen. Ist eine gezielte Anamnese aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich (z. B. sprachliche Schwierigkeiten, unklare allergische Reaktionen bei sehr kleinen Kindern usw.), kann eine Abklärung über Allergengemische versucht werden. Nach einer erneuten Anamnese ist dann häufig die gezielte Diagnostik möglich.

Der überwiegende Teil allergischer Erkrankungen läßt sich mit einem Grundspektrum von nur wenigen, häufigen Allergien abklären. Entsprechend haben wir die speziellen Begleitschreiben zur Allergiediagnostik zusammengestellt.

 



Pollen: Bei den Pollenallergenen ist es in unserer Region ausreichend, auf Gräserpollen, Birkenpollen und Pollen von Beifuß und Wegerich zu testen. Zumindest im Hinblick auf die therapeutischen Konsequenzen wird damit der weitaus häufigste Teil der Pollenallergien erkannt.

Alle Gräserpollen und Roggenpollen sind aufgrund strukturell ähnlicher Allergene untereinander stark kreuzreaktiv. Es reicht daher aus, auf ein Gräserpollengemisch oder ein Gras, z. B. Lieschgras, zu testen.

Baumpollen zeigen eine geringere Kreuzreaktivität. Wir empfehlen zunächst die Testung auf das wichtigste Baumpollenallergen, die Birke (Pollenflug etwa im April und Mai, abhängig von der Witterung). Je nach lokaler Vegetation und Anamnese kann das Testspektrum erweitert werden auf Erle, Hasel, Pappel, Esche. Zwischen Birke, Erle, Hasel und Pappel gibt es Kreuzreaktionen. Die klinische Aktualität einer Sensibiliserung lässt sich anhand der Anamnese (zeitliches Auftreten der Beschwerden, lokale Vegetation) oder durch gezielte Provokationen klären. Auch zu anderen Bäumen gibt es Kreuzreaktivitäten, meist ohne allergologische Bedeutung. Eine Besonderheit der Pollen ist ihre Kreuzreaktivität über botanische Grenzen hinweg, so z. B. die Birkenpollen-assoziierten Nahrungsmittelallergien gegen Kern- und Steinobst und Nüsse, oder das sog. Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom.

 



Hausstaubmilben: Auch hier besteht ein hohes Maß an Kreuzreaktivität, so daß in vielen Fällen die Testung mit einer Hausstaubmilbenart ausreicht. Nur selten findet man isolierte Sensibilisierungen gegen eine der Hausstaubmilben oder Vorratsmilben. Eine Testung mit kommerziellem Hausstaub ist wenig sinnvoll, da Hausstaub ein Gemisch unterschiedlichster Allergene ist. In Ausnahmefällen kann eine Testung mit Hausstaub der eigenen Wohnung sinnvoll sein.



Schimmelpilze: Bei Verdacht auf Schimmelpilzallergien liefert die in-vivo- wie auch die in-vitro-Diagnostik oft noch unbefriedigende Ergebnisse. Im Rahmen des diagnostischen Grundspektrums stehen ubiquitäre Schimmelpilzallergene wie Alternaria, Cladosporium und Aspergillus im Vordergrund. Weitere Pilzsporen- allergene sind meist an bestimmte Örtlichkeiten oder Tätigkeiten (Beruf / Hobby) gebunden.



Tierhaare: Immer größere Bedeutung erlangen Tierhaarsensibilisierungen. Das zu testende Spektrum richtet sich nach der Anamnese (Haustiere/ andere Tierkontakte). Mit kommerziellen Extrakten werden u. U. falsch negative Ergebnisse erzielt, da Sensibilisierungen gegen ein einziges individuelles Tier, wie auch rassenspezifische Allergien, vorkommen.



Nahrungsmittel: Bei den Nahrungsmittelallergien erschwert die Interpretation, daß Nahrungsmittel in rohem oder gekochtem Zustand unterschiedlich allergen sein können, Kreuzreaktionen vorkommen und meist keine "nativen" Nahrungsmittel, sondern mit ihnen auch diverse Zusatzstoffe gegessen werden. Im Säuglings- und Kleinkindesalter stehen Allergien gegen Kuhmilch, Hühnerei, Nüsse, Weizen und Soja im Vordergrund. Ähnliche Symptome wie bei den Typ-I-Allergien, z. T. mit bedrohlichen Begleitreaktionen, können bei sog. "Pseudoallergien" auftreten. Es handelt sich dabei um Intoleranzphänomene, die z. B. durch den Histamingehaltmancher Nahrungsmittel, den Gehalt an Histaminliberatoren oder biogenen Aminen ausgelöst werden. Sofern es vom klinischen Bild her möglich ist, sollte bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie versucht werden, die Diagnose durch orale Provokation oder Karenz und Reexposition zu bestätigen. Bestimmungen von spezifischem IgG gegen diverse Nahrungsmittel sind nur in seltenen Fällen bei Verdacht auf Typ-III-Allergie mit Symptomen einer allergischen Vaskulitis oder Immunkomplexsymptomatik sinnvoll. Nahrungsmittel-spezifische IgG-Antikörper kommen bei vielen gesunden Menschen vor. Verbindliche Referenzwerte fehlen noch.



Arzneimittel: Bei "Arzneimittelallergien" steht lediglich ein begrenztes Testspektrum zur Verfügung, da es sich nur in wenigen Fällen um echte IgE-vermittelte Allergien handelt. Wesentlich häufiger kommen sog. Pseudoallergien vor, d. h. teilweise schwere Intoleranzreaktionen, die durch direkte Histaminfreisetzung, direkte Komplementaktivierung, Aktivierung des Kininsystems oder Wechselwirkung mit dem Arachidonsäuremeatbolismus usw. ausgelöst werden.


Juni 2000

Dr. med. Ursula Weber
Ärztin für Kinderheilkunde-Allergologie,
Ärztin für Labormedizin
Telefon (0751) 502-210