Wir über unsLeistungsverzeichnisDiagnostikFachinfosPatienteninfosHygieneServiceDFÜKontakt
LaboReport 49
LaboReport 48
LaboReport 46
LaboReport 45
LaboReport 44
LaboReport 43
LaboReport 42
LaboReport 41
LaboReport 40
LaboReport 38
LaboReport 37
LaboReport 36
LaboReport 35
LaboReport 34
LaboReport 33
LaboReport 32
LaboReport 31
LaboReport 30
LaboReport 29
LaboReport 28 akt.
LaboReport 28
LaboReport 27
LaboReport 26
LaboReport 25
LaboReport 24
LaboReport 22
LaboReport 21
LaboReport 20
LaboReport 19
LaboReport 18
LaboReport 17
LaboReport 16
LaboReport 15
LaboReport 14
LaboReport 13
LaboReport 12
LaboReport 11
LaboReport 10
LaboReport 9
LaboReport 8
LaboReport 7
LaboReport 6


LaboReport 16



Homocystein


Risikofaktor für arterielle und venöse Verschlußerkrankungen


Pathophysiologie


Die Studienergebnisse der letzten Jahre zeigen überraschend übereinstimmend, dass auch die milde Hyperhomocysteinämie ein unabhängiger eigenständiger Risikofaktor für Arteriosklerose und Atherothrombose mit Manifestation als koronare Herzerkrankung, periphere arterielle Verschlußerkrankungen und zerebrovasculäre Erkrankungen ist. Homocystein ist unabhängig von anderen Risikofaktoren, wie Hypertension, Diabetes mellitus, Rauchen und Hyper-cholesterinämie. Man schätzt, daß das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko bei erhöhter Homocystein-Konzentration etwa 3mal höher ist als bei normaler Konzentration. Die Vasoaggressivität von Homocystein geht auf dessen Eigenschaften zurück, über Disulfid- oder Peptidbindungen an Proteine zu binden sowie freie Radikale zu generieren. Daraus resultiert eine Endothelzell-Schädigung. Manifest wird dies durch eine vermehrte Faktor V-Aktivität, eine gesteigerte Expression von "tissue factor", eine reduzierte Aktivität von Protein C und eine verringerte endothelabhängige Stickoxid-vermittelte Vasodilatation.

Darüberhinaus trägt Homocystein durch Bindung an LDL und deren oxidative Modifikation zur Schaumzellenbildung bei. Auch die Bindung des atherogenen Lp(a) an immobilisiertes Fibrin wird gesteigert, mit der Konsequenz einer verminderten Fibrinolyse.


Biochemie


Homocystein entsteht im Stoffwechsel beim Abbau der Aminosäure Methionin. Homocystein ist sehr toxisch und wird unter physiologischen Bedingungen im Organismus rasch zu Cystein abgebaut oder zu Methionin remethyliert. Die Remethylierung ist abhängig von dem ubiquitär vorkommenden Enzym 5-Methyltetrahydrofolat-Homocystein-Methyltransferase, von der Methylentetrahydrofolat-Reduktase, sowie von Vitamin B-12 und Folsäure. Für den Abbau des Homocysteins zu Cystein ist die Anwesenheit von Cystathionin-ß-Synthetase und Vitamin B-6 erforderlich.


Indikation


Durch erbliche Defekte der Enzyme, die Homocystein abbauen oder durch einen Mangel der zum Abbau bzw. Umbau notwendigen Vitamine B-6, B-12 und Folsäure, kann es zur Anhäufung von Homocystein kommen.

Für die Enzyme Cystathion-ß-Synthetase und Methylentetrahydrofolat-Reduktase kennt man bereits Mutationen in den dazugehörigen Genen, die zu verminderter Enzymaktivität und damit auch zu erhöhter Homocystein-Konzentration im Blut führen.

Bei folgenden Patientengruppen ist die Bestimmung von Homocystein angezeigt:


Patienten < 55 J. mit kardiovaskulären Erkrankungen
Patienten mit transitorischen ischämischen Attacken oder Schlaganfall
Patienten mit Niereninsuffizienz
Patienten mit bereits erhöhtem Arterioskleroserisiko

Befundbeurteilung und Therapie


Eine Zunahme der Plasma-Homocystein-Konzentration um 5 µmol/l erhöht das Risiko für eine koronare Herzerkrankung im gleichen Maße wie eine Erhöhung der Cholesterin-Konzentration um 20 mg/dl (0,52 mmol/l). Bei leicht erhöhten Homocysteinwerten (6,0 – 14,9 µmol/l) wird eine Umstellung auf eine vitaminreichere Ernährung empfohlen, da die Hyperhomocysteinämie häufig nicht auf einem genetischen Defekt, sondern auf einem Vitamin-Mangel beruht. Die Homocysteinwerte sollten kontrolliert werden. Bei deutlich erhöhten Homocysteinwerten  (> 15 µmol/l) sollte durch weitergehende Untersuchungen von Folsäure, Vitamin B-12, Vitamin B-6 und Methylmalonsäure ein Vitaminmangel von Enzymdefekten unterschieden werden. Auch hier kann durch Ernährungsumstellung bzw. durch Supplementierung der Vitamin B-6, B-12 und Folsäure der Homocystein-Spiegel normalisiert werden (z. B. täglich 2,5 ml Folsäure, 25 mg Vitamin B6, 400 µg Vitamin B-12). Besonders effektiv sind Folsäure-Präparate.

Darüberhinaus kann aus 4 ml EDTA-Vollblut mittels DNA-Analyse eine Methylen-
tetrahydrofolat-Reduktase-Mutation
ausgeschlossen werden.


Untersuchungsmaterial


Die Analyse kann sowohl im Plasma, als auch im Serum erfolgen. Wichtig ist dabei, daß Serum oder Plasma innerhalb von einer Stunde (optimal: innerhalb von 30 Minuten) vom Blutkuchen abgetrennt werden (Zentrifugieren bei 3500 g für 10 min.). Ansonsten können Erythrozyten bei längerem Stehen Homocystein aus den Zellen exportieren und dadurch zu falsch erhöhtem Homocystein-Spiegel führen. Die Einnahme von methioninreicher Nahrung (z. B. Fleisch) führt zu einem Anstieg des Homocysteins. Nach ca. 4 - 8 Stunden erreicht der Homocysteinspiegel das Maximum und ist um ca. 15 % gegenüber den Nüchternwerten erhöht.


Empfohlenes Material


1 ml Plasma, aus EDTA-Blut gewonnen und nach 30 min. abzentrifugiert.

Haltbarkeit im Plasma: 4 Tage bei Raumtemperatur, mehrere Wochen bei ca. 2 °C und mehrere Monate bei ca. –20 °C.


Referenzwerte


Für Nierengesunde:

Opimaler Wert: Wert: unter 9 µmol/l

Ansteigendes Risiko bei folgenden Werten:
6,0 - 14,9 µmol/l     1,9fach
15,0 - 19,9 µmol/l   2,8fach
über 20,2 µmol/l      4,5fach

Bei eingeschränkter Nierenfunktion sind Werte unter 20 µmol/l anzustreben.


(N. Engl. J. Med.1997; 337:230-236)


Methode


HPLC mit Vorsäulenderivatisierung und Fluoreszenzdetektion


Literatur


  1. Übbink JB et al. Clin. Chem. 1995;41: 1033-1037; Results of B-vitamin supplementation study used in a prediction model to define a reference range for plasma homocysteine.
  2. Wu LL et al. Clin. Chem. 1994;40: 552-561; Plasma homocysteine as a risk factor for early familial coronary artery disease.
  3. Den Heijer M et al. N. Engl. J. Med. 1996;334: 759-768; Hyperhomocysteinemia as a risk factor for deep-vein thrombosis.
  4. Weiss N et al. Klinikarzt 1999;28:X-XIV; Expertengespräch - Stellenwert der Folsäure bei Hyperhomocysteinämie und Atherosklerose.
  5. Boushey CJ et al. J.A.M.A. 1995;247:1049-1057; A quantitative assessment of plasma as a risk factor for vascular disease.

Oktober 1999

Dr. med. Diethard Müller
Arzt für Laboratoriumsmedizin
Telefon 0751/502-640