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Infektionsserologie


außer Hepatitis und HIV

Die Diagnostik von Infektionskrankheiten kann entweder durch direkten Erregernachweis oder indirekt über den Nachweis der Antikörper des infizierten Organismus gegen den Erreger geführt werden. Sofern ein Erregernachweis problemlos möglich ist, wie z. B. bei vielen bakteriellen Infektionen und einigen Virusinfektionen, sollte in erster Linie infektiöses Material (Ausscheidungen, Sekrete, Blut, Punktate, usw.) untersucht werden (z. B. in bakterieller Kultur, mittels Antigen-ELISA, PCR u. a.).

Bei einem großen Teil der Infektionskrankheiten, vor allem bei viralen Infektionen, sind die Erreger bei Auftritt der klinischen Symptome nur kurzzeitig nachweisbar oder der direkte Nachweis ist technisch schwierig. In diesen Fällen kann die Sicherung der Diagnose über den Antikörpernachweis erfolgen.

Die Präsenz spezifischer IgM- und / oder IgA-Antikörper bzw. ein deutlicher Anstieg der IgG- und IgA-Antikörper oder komplementbindender oder agglutinierender Antikörper weisen auf eine Auseinandersetzung des Organismus mit dem Erreger hin und lassen auf eine akute Infektion schließen (s. auch Informationen zu den einzelnen Infektionskrankheiten in unserem Buch: "Medizinische Laboruntersuchungen", 11. Auflage).

Nach länger zurückliegenden Infektionen oder Impfungen findet man in der Regel nur erregerspezifische IgG-Antikörper, die häufig, jedoch nicht immer, auch eine bestehende Immunität annehmen lassen.





Typische Immunantwort nach primärer Infektion mit Viren oder anderen Erregern

Menge der Antikörper (AK)


Diese "typische Immunreaktion" beinhaltet einige Ausnahmen:


Bei lokalen Infektionen oder auch chronischen Besiedelungen von Schleimhäuten des Respirations- oder Gastrointestinaltraktes oder auch der Haut werden häufig keine erregerspezifischen Antikörper nachweisbar.
Bei akuten Infektionen sind in der Regel für 1 - 3 Monate erregerspezifische IgM-Antikörper nachweisbar. Es gibt jedoch Fälle, bei denen keine IgM-AK gebildet werden, oder andere Fälle, bei denen IgM-AK teilweise über Jahre persistieren. Hier ist eine verläßliche Diagnostik nur möglich über Verlaufskontrollen der IgG-AK (ansteigend / gleichbleibend) oder über einen IgG-AK-Aviditätsindex, in einigen Fällen ist die zusätzliche Bestimmung der lgA-AK sinnvoll.
Bei Infektion mit Viren, die eine enge Antigengemeinschaft haben, kann es durch Kreuzreaktivität nach früher abgelaufenen Infektionen mit ähnlichen Viren sowohl zur IgG-, als auch zur IgM-AK-Stimulierung kommen.
Infektionen, die mit starker IgM-AK-Stimulierung einhergehen, wie z. B. EBV-, Mycoplasma pneumoniae- oder Hepatitis A-Virus-Infektionen können zu einer IgM-AK-Bildung gegen verwandte oder zum Teil nicht verwandte Erreger führen (polyklonale IgM-Stimulierung).
Bei Reaktivierung von latent persistierenden Infektionen, wie z. B. die der Herpes-Virus-Gruppe, kommt es zu einem schnellen Ansteigen der erregerspezifischen IgG- und IgA-Antikörper, gelegentlich erscheinen auch wieder IgM-Antikörper.
Besondere Probleme ergeben sich bei der Beurteilung infektionsserologischer Befunde, wenn Patienten unter immunsuppressiver Therapie stehen, da hier die Antikörperreaktion eingeschränkt ist oder sogar völlig ausbleiben kann.

Im Hinblick auf die Vielzahl der Erreger und ihre Beteiligung an verschiedenen Krankheitssymptomen und die Vielfalt der diagnostischen Fragestellungen sollte auf dem Überweisungsschein angegeben werden,

 


ob die Bestimmung der Immunitätslage erwünscht ist
ob es sich um eine akute Erkrankung handelt oder der Verdacht auf Reaktivierung einer latent persistierenden Infektion besteht, gegebenenfalls unter Angabe von klinischen Leitsymptomen oder Verdachtsdiagnosen.

Untersuchungsspektrum
Stand: Juli 1999


Erreger Antikörpernachweis
Adenovirus KBR
Adenovirus KBR
Amöben IHA
Bordetella pertussis ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK KBR
Borrelien ELISA: IgM-AK IgG-AK
Borrelia burgdorferi Westernblot: IgM-AK IgG-AK
Brucellen KBR
Campylobacter jejuni / intest. KBR
Candida ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK IHA
Chlamydien (LPS-Gruppenantigen) ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK KBR
Chlamydia trachomatis IFT: IgM-AK IgA-AK IgG-AK
Chlamydia pneumoniae IFT: IgM-AK IgA-AK IgG-AK
Coxsackievirus KBR
Cytomegalievirus ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK KBR
Diphtherie-Toxin (Impftiter) ELISA: IgG-AK
Echinococcus Gruppenag ELISA: IgG-AK
Echinococcus multilocularis ELISA: IgG-AK
Echovirus KBR
Enterovirus Gruppe (Coxsackie, Echo) ELISA: IgM-AK IgG-AK
Epstein-Barr-Virus (EBV) ELISA: VCA.IgM-AK VCA-IgG-AK EBNA 1-IgG-AK
Epstein-Barr-Virus (EBV) Westernblot: IgM-AK IgG-AK
FSME-Virus ELISA: IgM-AK IgG-AK KBR
Gonokokken KBR
Hantavirus Typ Puumala IFT:
Hantavirus Typ Hantaan IFT:
Helicobacter pylori ELISA: IgA-AK IgG-AK
Helicobacter pylori Westernblot: IgA-AK IgG-AK
Herpes simplex Virus I/2 ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK KBR
Hum. Herpes Virus 6 (HHV6) IFT: IgM-AK IgG-AK
Influenza Virus A/B KBR
LCM-Virus KBR
Legionellen ELISA: IgM-AK IgG-AK
Leptospiren KBR
Listerien KBR
Masern-Virus ELISA: IgM-AK IgG-AK KBR
Mumps-Virus ELISA: IgM-AK IgG-AK KBR
Mycoplasma pneumoniae ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK KBR
Parainfluenzavirus I-3 KBR
Parvovirus B I9 ELISA: IgM-AK IgG-AK
Parvovirus B I9 IFT: IgM-AK IgG-AK
Parvovirus B I9 Westernblot: IgM-AK IgG-AK
Picornavirus Pool KBR
Pseudomonas aeruginosa-AK ELISA: IgG-AK
(alk. Protease, Elastase, Exotoxin A)
Q-Fieber KBR
Röteln-Virus ELISA: IgM-AK IgG-AK HAH
Röteln-Virus IFT: IgM-AK IgG-AK
Rotavirus KBR
Resp.-Syncytial Virus KBR
Salmonellen WIDAL
Sandfliegenfieber-Virus KBR
Staphylokokken ASTA
Streptokokken AST ADNB AHT
Tetanus-Toxin (Impftiter) ELISA: IgG-AK
Treponema pallidum (Lues) TPHA: FTA-Abs. Kardiolipin-KBR CMT/VDRL IgM-AK (WB)
Toxoplasma gondii ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK DIFA (Suchtest)
Toxoplasma gondii IFT: IgM-AK IgG-AK
Toxoplasma gondii ISAGA: IgM-AK
Varizella-Zoster-Virus ELISA: IgM-AK IgA-AK IgG-AK KBR
Yersinien (Y. pseudotub./Y.enterocol.3+9) Westernblot: IgA-AK IgG-AK KBR
Sonstige Untersuchungen:
Screeningtest auf reaktive (bakt.) Arthritis (Salmonellen, Campylobacter, Chlamydien, Yersinien, Borrelien) ELISA: IgA-AK IgG-AK
RSV-Antigen-Direktnachweis ELISA: aus Nasopharyngealsekret, Bronchialsekret

Weitere Informationsbögen bestellen Sie bitte unter Telefon (+49) 751/502-40 

 

 

Juli 2001