 |



Helicobacter pylori gilt als entscheidende Ursache der chronischen Antrumgastritis (Typ-B-Gastritis) und als Kofaktor bei der Entstehung gastroduodenaler Ulzera. Besonders Magenulzera neigen zur malignen Entartung (infolge Nitrosaminbildung des Erregers?). Auch das MALT-Lymphom (mucosa associated lymphoid tissue) des Magens wird als Helicobacter-Folgeleiden angesehen. Die WHO hat H. pylori als karzinogen eingestuft. Einer von 32 Infizierten stirbt an Folgeleiden der chronischen H. pylori-Gastritis. Da die Infektion antibiotisch therapiert werden kann, hat ihre Diagnostik größte praktische Bedeutung. Der Erregernachweis kann im Biopsat mittels PCR, Kultur, Histologie oder CLQ-Test erfolgen, neuerdings auch nicht-invasiv im sogenannten Atemtest. Vor und nach Einnahme von 13C-Harnstoff werden Atemluftproben in gasdichten Gefäßen gesammelt und zur Analyse ins Labor gesandt. 

 | nicht invasiv, nicht radioaktiv, einfach zu handhaben
|  | hohe Aussagekraft (Spezifität ca. 98 %, Sensivität 93 - 98 %)
|  | Probenversand unproblematisch (auch per Post) |


 | Erfolgskontrolle nach Eradikationstherapie einer H. pylori-Infektion (frühestens 4 Wochen nach Therapieende), bei Ulcus ventriculi jedoch nicht als Biopsieersatz
|  | Ausschluß einer Reinfektion bei endoskopisch gesichertem Duodenalulkus
|  | Kinder mit Verdacht auf Ulkuserkrankung |


Kohlenstoff liegt in der freien Natur und im menschlichen Körper zu 99 % als 12C, zu 1 % als 13C vor. 13C ist ein stabiles, also nichtradioaktives Isotop, das gegenüber 12C lediglich ein zusätzliches Neutron besitzt und biochemisch wie 12C reagiert.
Trinkt ein Patient mit H. pylori-Befall der Magenschleimhaut eine Lösung mit 13C-Harnstoff, spaltet H. pylori als starker Ureasebildner den Harnstoff rasch zu 13C02 und Ammoniak. Das in den Blutkreislauf resorbierte 13C02 wird über die Lunge abgeatmet. Untersucht werden zwei Atemluftproben: vor dem Probetrunk (Basalwert) und 30 Minuten nach dem Probetrunk. Nimmt der 13C02-Anteil am Gesamt-CO2 deutlich zu, zeigt dies eine H. pylori-Besiedlung an.


Testvorbereitung und -durchführung:Siehe Unterren Abschnitt dieser Seite.
Auswertung:
In jeder Atemluftprobe wird das Verhältnis 13CO2/12C02 gemessen (Massenspektrometrie) und auf den internationalen PDB-Standard bezogen (Delta 13CO2 in Promille).
Die Zunahme des Meßwertes in der 30-min-Probe gegenüber dem Basalwert läßt nach heutigem Kenntnisstand folgende diagnostische Aussagen zu:
Zunahme von Delta 13CO2 um > 4,0 Promille: Hinweis auf H. pylori-Befall
Zunahme von Delta 13CO2 um 2,5 - 4,0 Promille: Grenzbereich ("Grauzone')
Zunahme von Delta 13CO2 um < 2,5 Promille: Kein Hinweis auf H. pylori-Befall 

| Für Einsender: |
EBM-Ziffer |
GOÄ-Ziffer |
| Probenahme |
742 (70 Pkt.) |
A619 (227 Pkt.) |
| Materialkosten |
zuzüglich
EBM 7152: DM 50,- |
zuzüglich |
| Für das Labor: |
EBM-Ziffer |
GOÄ-Ziffer |
| GC-MS-Analysen |
O III |
M III |
| mit Auswertung |
4130 |
4210 |




Der 13C-Harnstoff ist als Feinchemikalie bei bestimmten Apotheken erhältlich. Das Probeentnahmematerial kann bei unserer Einsenderbetreuung, Telefon (07 51) 5 02 - 40, Telefax (07 51) 5 02 - 45 bestellt werden. Die Substanz wird nach EBM 7152 (Pauschalerstattung der Kosten) abgerechnet. Nach GOÄ kommt die Analogziffer A 619, zuzüglich Sachkosten nach § 10, 1. zur Abrechnung. 

 | Vor dem Test darf der Patient vier Wochen lang keine Antibiotika, Wismutpräparate und mehrere Tage keine Säureblocker erhalten
|  | Vor Testbeginn mindestens drei Stunden Nahrungskarenz
|  | Bereitgestellt werden: 75 mg 13 C-Harnstoff, ein Glas (ca. 150 ml) Orangensaft, zur Probenahme 4 Atemteströhrchen (mit Patientenname, -vorname und Geburtsdatum beschriftet) sowie ein Strohhalm, der nur zum Füllen der Atemluftröhrchen benutzt wird. |


 | Während des gesamten Testes soll der Patient ruhig sitzen, nüchtern bleiben und nicht rauchen
|  | Zwei Probenröhrchen beschriften mit "Basalwert"
|  | Patient füllt ein Röhrchen mit Ausatemluft, indem er zuerst den Strohhalm auf den Boden des Röhrchens setzt, dann vollständig und nur durch den Strohhalm ausatmet
|  | Röhrchen sofort danach verschließen Vorsicht bei Exetainer-Röhrchen: Schraubverschluß nicht überdrehen, sonst wird er undicht!
|  | In derselben Weise das zweite "Basalwert'-Röhrchen füllen und verschließen |


 | Patient trinkt eine Hälfte des gekühlten Orangensafts (verzögert die Magenentleerung)
|  | In der anderen Hälfte des Orangensaftes werden die 75 mg 13C-Harnstoff aufgelöst und getrunken (hierfür nicht den Strohhalm benutzen!)
|  | Sofort nach dem Probetrunk Uhrzeit notieren oder eine Weckeruhr starten |


 | Zwei Proberöhrchen beschriften mit "30 min."
|  | Genau 30 Minuten nach dem Probetrunk die zwei Proberöhrchen nacheinander mit Atemluft füllen, wie oben beim Basalwert beschrieben (vollständig durch Strohhalm ausatmen), und sofort danach verschließen. |


Die 4 Röhrchen mit dem Überweisungsschein (Untersuchung: "H. pylori-Atemtest') können mit dem Kurierdienst oder per Post zum Labor gesandt werden. Die Proben sind auch ohne Kühlung mehrere Tage haltbar.
Oktober 1999
Dr. med. Wolfgang Gärtner Arzt für Laboratoriumsmedizin Telefon (0751) 502-270  |
 |