 |

Einflußgrößen führen zu in vivo-Veränderungen des zu bestimmenden Parameters, wobei zwischen unbeeinflußbaren und beeinflußbaren Einflußgrößen unterschieden werden kann.
Die unbeeinflußbaren Einflußgrößen wie Alter oder Geschlecht wirken sich auf die Referenzwerte der alters- oder geschlechtsabhängigen Parameter aus: Für eine richtige Angabe der Referenzbereiche und richtige Interpretation der Ergebnisse muß der Patient unverwechselbar identifiziert und charakterisiert sein, und zwar nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit Geschlecht und Alter.
Beeinflußbare Einflußgrößen (z. B. Ernährung, Fasten, Alkohol, körperliche Aktivität, psychische Belastung, Körperlage, Medikamenteneinnahme, Biorhythmen (Tagesrhythmus), Klima oder Höhe) sind bei der Vorbereitung des Patienten auf die Probenentnahme bzw. Laboruntersuchung zu beachten, um ihren Einfluß auf das Analysenergebnis möglichst gering zu halten.
Ernährungszustand
Im allgemeinen sollte eine Blutentnahme morgens nüchtern erfolgen, wobei ein streng nüchterner Zustand (ca. 12 h nüchtern) bei den Parametern erforderlich ist, die unmittelbar durch die Ernährung beeinflußt werden, z. B. Lipide (Triglyceride, Cholesterin, Lipidelektrophorese), Nüchtern-Blutzucker oder Insulin. Hohe Fettwerte, insbesondere hohe Triglyceride, führen zu lipämischen Seren, wodurch photometrische, turbidimetrische oder nephelometrische Bestimmungen gestört werden können.
Tagesrhythmus
Die Referenzwerte der meisten labordiagnostischen Untersuchungen wurden für eine morgendliche Probenentnahme zwischen 6 und 9 Uhr erstellt.


 | Creatinin i.S. (durch körperliche Aktivität: Maximum abends, Minimum morgens)
|  | Creatinin-Clearance (Maximum morgens)
|  | Eisenkonzentration (Maximum morgens, Schwankungsbreite 25-100 %)
|  | Proteine i.S. (Maximum morgens, nicht bei bettlägerigen Patienten)
|  | Eosinophile Granulozyten (Maximum mittags)
|  | oraler Glukosetoleranztest (Maximum morgens)
|  | Hormonbestimmungen (ACTH, Cortisol, STH) (Maximum morgens, bei Cortisol im Serum ist Tagesprofil ratsam)
|  | Prolaktin (Sekretion an Schlafphasen gekoppelt)
|  | Hb, Hk (Maximum morgens)
|  | Kalium (Maximum morgens)
|  | Elektrolytausscheidung im Urin (Schwankungsbreite ca. 50 %, deshalb 24-Stunden-Sammelurin)
|  | Medikamentenspiegel (Maximum abhängig von Medikamenteneinnahme, i. d. R. Abnahme morgens vor nächster Tabletteneinnahme) |


 | hier kann die Abnahme unabhängig von der Tageszeit erfolgen (z. B. Gerinnungsparameter) |


 | alle vom Menstruationszyklus abhängigen Bestimmungen (Östrogene, Gestagene, FSH, LH) |


 | Freisetzung von Bestandteilen der Muskelzellen wie Enzymen (CK, GOT, LDH)
|  | Flüssigkeitsverschiebungen aus dem Intravasal- in den interstitiellen Raum; daraus resultiert eine Erhöhung der Konzentration der makromolekularen Bestandteile des Blutplasmas
|  | Freisetzung von Leberenzymen (bei Vorschädigung)
|  | Verbrauch von Substanzen (z. B. von Lipoproteinen)
|  | Beeinflussung der Nierenfunktion (erhöhte Proteinausscheidung, verminderte Diurese)
|  | Anstieg der Leukozytenzahl
|  | Beeinflussung der Blutgerinnung (Zunahme der Gerinnungsbereitschaft bei gleichzeitiger Aktivierung der Fibrinolyse) |


 | Blutentnahme (Zentralisierung des Kreislaufs durch Angst)
|  | Hormondiagnostik (Hormone der Regelkreise Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinde bzw. Gonaden sowie Nebennierenmark)
|  | Funktionsdiagnostik (z. B. oraler Glukosetoleranztest, Nierenfunktionsuntersuchungen) |


Beim Übergang von der stehenden in die liegende Körperlage kommt es zu einer Verdünnung des Serums um 10 % (Orthostasewirkung und molekulare Siebwirkung der Gefäßmembran). Bei umgekehrtem Positionswechsel erfolgt eine Konzentrierung der makromolekularen Blutbestandteile. 

 | alle zellulären Elemente des Blutes
|  | alle hochmolekularen Komponenten, d. h. Proteine einschließlich der Enzyme und Proteohormone
|  | alle niedermolekularen Komponenten, die an hochmolekulare assoziiert sind, z. B. Calcium, Cholesterin, Triglyceride, Bilirubin, Cortisol, SD-Hormone |

Ein Wechsel der Körperlage unmittelbar vor der Venenpunktion ist zu vermeiden. Patienten mit Ödemen sollten vor der Blutentnahme 15-30 Minuten liegen. 

 | Erniedrigung der Cholinesterase nach Gabe von Cyclophosphamid, oralen Kontrazeptiva
|  | Kreatininbestimmung nach Jaffe: erhöhte Kreatininwerte bei Einnahme von Vitamin C, Barbitursäure
|  | Vitaminpräparate können Drogenscreening mittels Fluoreszenzpolarisation stören (Messung dann nicht möglich)
|  | Corticoide, Antibiotika, Tokolyse: Östriol sinkt
|  | Neuroleptika, Antidepressiva, Dopamin-Antagonisten, Ovulationshemmer: Prolaktinerhöhung
|  | Östrogene: SHBG steigt (SHBG: Sexualhormon-bindendes Globulin)
|  | Androgene: SHBG sinkt
|  | Penicilline: Verkürzung der Thromboplastinzeit
|  | ACE-Hemmer: Angiotensin-Converting-Enzyme-Aktivität vermindert
|  | Beeinflussung von Medikamentenspiegeln durch Komedikation |

Bei unplausiblen Laborwerten ist die genaue Medikamentenanamnese nötig (Medikation auf Anforderungsschein vermerken).  |
 |