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Sehr verehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
die hereditäre Fruktose-Intoleranz beruht auf einem seltenen Enzymdefekt, der den Fruktoseabbau in der Leber betrifft. Die Aldolase B der Leber, die normalerweise das Substrat Fruktose-1-Phosphat in Dihydroxyacetonphosphat und Glycerinaldehyd spaltet, fehlt oder ist inaktiv. Stattdessen ist nur die Aldolase A vorhanden, ein Glykolyseenzym, dessen Substrat normalerweise Fruktose-1,6-Bisphosphat ist und das Fruktose-1-Phosphat nur mit fünfzigfach geringerer Geschwindigkeit spaltet. Das erste Enzym des Fruktoseabbaus, die Fructokinase, ist nicht betroffen, so daß die Fruktose regulär in die Leberzelle gelangt, phosphoryliert wird (Fruktose -> Fruktose-1-Phosphat unter ATP-Verbrauch) und die Zelle nicht mehr verlassen kann. Aufgrund des Aldolase B-Enzymdefekts kann Fruktose-1-Phosphat nur sehr langsam gespalten werden, reichert sich an und hemmt Enzyme der Glykolyse, der Gluconeogenese und des Glykogenstoffwechsels. Hypoglykämien können dadurch die Folge sein, da im Hungerzustand das Glykogen nicht mehr oder nur noch vermindert abgebaut wird und auch keine Glukose aus Aminosäuren oder Glycerin gebildet werden kann.
Menschen, die an einer durch diesen Enzymdefekt hervorgerufenen hereditären Fruktose-Intoleranz (Fruktoseunverträglichkeit/Fruktosämie) leiden, zeigen eine ausgeprägte Hypoglykämie, abdominelle Schmerzen und Erbrechen. Falls die Ursache nicht bemerkt wird, kommt es zu einer chronischen Leber-/Nierenschädigung bis hin zur Leberzirrhose. Diese Krankheit kann nicht medikamentös, sondern nur durch eine strenge fruktose- und saccharosearme Diät behandelt werden, die ein nahezu symptomfreies Leben ermöglicht.
Die hereditäre Fruktose-Intoleranz wird autosomal rezessiv vererbt. Derzeit sind etwa 35 Mutationen im Aldolase B-Gen bekannt. Am häufigsten ist die Mutation A149P mit einer Prävalenz von ca. 0,25 % nachweisbar. Die durch das homozygote Auftreten der Mutation bedingte Krankheitshäufigkeit beträgt aber nur ca. 0,002%. Etwa 70 % aller Patienten sind charakterisiert durch eine Beteiligung der Mutation A149P, d. h. sie besitzen entweder einen homozygoten Genotyp oder einen heterozygoten Genotyp, der zusätzlich mit einer weiteren Mutation kombiniert ist, meistens mit den Mutationen A174D, N334K oder Delta4-E4 (Compound-Heterozygotie). Der Großteil der übrigen Patienten setzen sich überwiegend aus homozygoten Trägern dieser Aldolase B-Mutationen A174D und N334K und Delta4-E4 zusammen. Die im MVZ Labor Dr. Gärtner & Partner durchgeführte Untersuchung zum Nachweis dieser vier Mutationen erfasst somit etwa 95 % aller europäischen Patienten mit hereditärer Fruktose-Intoleranz.
Die Erkrankung ist abzugrenzen von der häufig vorkommenden intestinalen Form der Fruktose-Intoleranz. Diese Fruktose-Malabsorption beruht auf einer verminderten Aktivität des Transporters GLUT-5, der zur Fruktose-Resoption notwendig ist. Die intestinale Form der Fruktose-Intoleranz wird mittels des H2-Atemtests untersucht, der auf vermehrter Wasserstoffbildung bedingt durch den bakteriellen Abbau der Fruktose im Darm beruht (vgl. Laktose-Intoleranz). Vor dessen Durchführung sollte eine hereditäre Fruktose-Intoleranz ausgeschlossen werden.
Probenmaterial: 2 ml EDTA-Blut
Die Untersuchung auf HFI mittels PCR und nachfolgender reverser Hybridisierung führen wir wöchentlich durch. Diese Untersuchung ist Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung und eine budgetfreie Leistung bei Anwendung der Ausnahmekennziffer 32010. Preisinformationen zur Abrechnung nach GOÄ erhalten Sie bei Frau Danner-Flach (Tel. 0751-502 472).
Mit kollegialen Grüßen,
Dr. med. Diethard Müller Dr. hum. biol. Reinhard Frodl (Tel. 0751-502 240) (Tel. 0751-502 649)
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