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Laborinformation Juni 2006



Allergie - ca. 20 Millionen Bundesbürger sind betroffen


Viele von ihnen leiden im Frühjahr unter lästigen Symptomen und
eingeschränkter Lebensqualität

 

Sehr verehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

Allergien sind in den vergangenen 20 Jahren zu einer der größten Herausforderungen der Gesundheitssysteme in
ganz Europa geworden. Die WHO bezeichnet allergische Erkrankungen als die häufigste chronische Krankheit bei
Kindern in der EU. Jeder zweite Erwachsene mit chronischer Rhinitis oder blockierter Nasenatmung leidet an einer
allergischen Erkrankung.
Bei der Hälfte aller Erwachsenen, die über saisonale oder perenniale, rezidivierende Kurzatmigkeit klagen, wird eine
Allergie als Auslöser vermutet. Vielleicht gerade wegen der Komplexität der Aufgabe werden viele Allergien gar
nicht oder erst spät erkannt.

Die stetig wachsende Anzahl an Allergiepatienten bringt mit sich, dass ihre Versorgung nicht mehr ausschließlich
durch Spezialisten erfolgen kann. Der Hausarzt trägt eine immer größere Verantwortung bezüglich der Diagnose
und Betreuung dieser Patienten. Gelöst werden kann dieses Problem nur, wenn sich auch Allgemeinärzte und
Internisten verstärkt mit der Basisdiagnostik allergischer Beschwerden auseinander setzen und die vorhandenen,
einfachen Screening-Tests anwenden.

Besonders hilfreich und kostengünstig sind die Labor-Routinetests SX1, fx5 und Gesamt-IgE, die entscheidende
Informationen über eine Sensibilisierung liefern können.
Durch die Kopplung der häufigsten Allergie auslösenden Proteine in nur zwei Allergenmischungen werden 95%
aller Sensibilisierungen erfasst und deren vielfältige Kreuzreaktionen zu verwandten Pollen und Nahrungsmitteln.

In der beigefügten Information - Basisdiagnostik mit dem ImmunoCAP Screening - sind die kreuzreagierenden
Allergene/Proteine aufgeführt und dargestellt. So ist es möglich, mit nur zwei spezifischen IgE-Bestimmungen ein
breites Spektrum der Sensibilisierungen zu erfassen und mit einem geringen Kostenaufwand die Symptome Ihrer
Patienten in allergische oder nicht allergische Ursachen zu differenzieren.

Was bedeutet Kreuzreaktion?

Die regulatorischen Proteine der pflanzlichen Allergene (Profilin Bet v2), Pathogenesis-Related (PR) Antigen (Bet
v1), a-Livetin (Vogel-Ei-Syndrom), Tropomyosin (Garnelen, Hausstaubmilben), Kohlenhydrat-Seitenketten (Pollen,
Nahrungsmittel, Milben, Insektengifte) sowie Calcinine (Ratte, Küchenschabe, ß-Lactoglobulin) besitzen eine
spezielle allergologische Relevanz. Sie sind für das Vorkommen von Antigengemeinschaften verantwortlich, die
auch als Kreuzreaktionen bezeichnet werden. Daneben sind Kreuzreaktionen durch die botanische Verwandtschaft
der Allergenquellen (z.B. Getreide und Gräser) bedingt.

Das Ausmaß der klinisch relevanten Kreuzreaktionen ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt
Patienten, die innerhalb einer Pflanzenfamilie auf alle Vertreter reagieren, andere nur auf eine oder wenige Spezies.
Das Vorkommen von Antigengemeinschaften nimmt mit dem botanischen Verwandheitsgrad der Pflanzenarten zu.

Eine wichtige klinische Manifestation der Antigengemeinschaften stellen die pollenassoziierten
Nahrungsmittelallergien dar, wobei die Kreuzreaktionen zwischen Birken-, Beifuß- und Gräserpollen sowie
Frischobst, rohem Gemüse und Nüssen eine besondere Relevanz besitzen. Es gibt sowohl klinische als auch
immunologische Hinweise dafür, dass die primäre Sensibilisierung durch die Pollenallergene erfolgt. Daneben gibt
es auch Antigengemeinschaften zwischen Nahrungsmitteln und anderen Aeroallergenen (z.B. Hausstaubmilben)
sowie Naturlatex.

Die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie ist ein häufiges Krankheitsbild mit besonderer klinischer Bedeutung.
Sie manifestiert sich klinisch als orales Allergiesyndrom (OAS) und ist eine Sonderform der Kontakturtikaria.

 

Ravensburg, 28.6.2006

Dr. med. Ursula Weber
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
Fachärztin für Kinderheilkunde, Allergologie

Telefon 0751/502-610
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