


Viele von ihnen leiden im Frühjahr unter lästigen Symptomen und eingeschränkter Lebensqualität
Sehr verehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
Allergien sind in den vergangenen 20 Jahren zu einer der größten Herausforderungen der Gesundheitssysteme in ganz Europa geworden. Die WHO bezeichnet allergische Erkrankungen als die häufigste chronische Krankheit bei Kindern in der EU. Jeder zweite Erwachsene mit chronischer Rhinitis oder blockierter Nasenatmung leidet an einer allergischen Erkrankung. Bei der Hälfte aller Erwachsenen, die über saisonale oder perenniale, rezidivierende Kurzatmigkeit klagen, wird eine Allergie als Auslöser vermutet. Vielleicht gerade wegen der Komplexität der Aufgabe werden viele Allergien gar nicht oder erst spät erkannt.
Die stetig wachsende Anzahl an Allergiepatienten bringt mit sich, dass ihre Versorgung nicht mehr ausschließlich durch Spezialisten erfolgen kann. Der Hausarzt trägt eine immer größere Verantwortung bezüglich der Diagnose und Betreuung dieser Patienten. Gelöst werden kann dieses Problem nur, wenn sich auch Allgemeinärzte und Internisten verstärkt mit der Basisdiagnostik allergischer Beschwerden auseinander setzen und die vorhandenen, einfachen Screening-Tests anwenden.
Besonders hilfreich und kostengünstig sind die Labor-Routinetests SX1, fx5 und Gesamt-IgE, die entscheidende Informationen über eine Sensibilisierung liefern können. Durch die Kopplung der häufigsten Allergie auslösenden Proteine in nur zwei Allergenmischungen werden 95% aller Sensibilisierungen erfasst und deren vielfältige Kreuzreaktionen zu verwandten Pollen und Nahrungsmitteln.
In der beigefügten Information - Basisdiagnostik mit dem ImmunoCAP Screening - sind die kreuzreagierenden Allergene/Proteine aufgeführt und dargestellt. So ist es möglich, mit nur zwei spezifischen IgE-Bestimmungen ein breites Spektrum der Sensibilisierungen zu erfassen und mit einem geringen Kostenaufwand die Symptome Ihrer Patienten in allergische oder nicht allergische Ursachen zu differenzieren.
Was bedeutet Kreuzreaktion?
Die regulatorischen Proteine der pflanzlichen Allergene (Profilin Bet v2), Pathogenesis-Related (PR) Antigen (Bet v1), a-Livetin (Vogel-Ei-Syndrom), Tropomyosin (Garnelen, Hausstaubmilben), Kohlenhydrat-Seitenketten (Pollen, Nahrungsmittel, Milben, Insektengifte) sowie Calcinine (Ratte, Küchenschabe, ß-Lactoglobulin) besitzen eine spezielle allergologische Relevanz. Sie sind für das Vorkommen von Antigengemeinschaften verantwortlich, die auch als Kreuzreaktionen bezeichnet werden. Daneben sind Kreuzreaktionen durch die botanische Verwandtschaft der Allergenquellen (z.B. Getreide und Gräser) bedingt.
Das Ausmaß der klinisch relevanten Kreuzreaktionen ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Patienten, die innerhalb einer Pflanzenfamilie auf alle Vertreter reagieren, andere nur auf eine oder wenige Spezies. Das Vorkommen von Antigengemeinschaften nimmt mit dem botanischen Verwandheitsgrad der Pflanzenarten zu.
Eine wichtige klinische Manifestation der Antigengemeinschaften stellen die pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien dar, wobei die Kreuzreaktionen zwischen Birken-, Beifuß- und Gräserpollen sowie Frischobst, rohem Gemüse und Nüssen eine besondere Relevanz besitzen. Es gibt sowohl klinische als auch immunologische Hinweise dafür, dass die primäre Sensibilisierung durch die Pollenallergene erfolgt. Daneben gibt es auch Antigengemeinschaften zwischen Nahrungsmitteln und anderen Aeroallergenen (z.B. Hausstaubmilben) sowie Naturlatex.
Die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie ist ein häufiges Krankheitsbild mit besonderer klinischer Bedeutung. Sie manifestiert sich klinisch als orales Allergiesyndrom (OAS) und ist eine Sonderform der Kontakturtikaria.
Ravensburg, 28.6.2006
Dr. med. Ursula Weber Fachärztin für Laboratoriumsmedizin Fachärztin für Kinderheilkunde, Allergologie
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