
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
der Nachweis Borrelien‐spezifischer IgM‐ und IgG‐Antikörper stellt nach wie vor die Basis der Labordiagnostik einer Borrelien‐Infektion dar.
Für die serologische Borreliose‐Diagnostik wird eine Stufendiagnostik empfohlen. Zunächst sollte ein sensitiver Suchtest durchgeführt werden. Dieser sollte bei grenzwertigem oder positivem Nachweis von IgM‐ oder IgG‐ Antikörpern mittels eines spezifischeren Bestätigungstest bestätigt werden. Als Suchtest verwenden wir in unserem Labor einen Immunoassay (CLIA), als Bestätigungstest einen rekombinanten Immunoblot (recomLine Blot).
Eine alleinige Bestimmung von IgM‐ und IgG‐Antikörpern gegen Borrelia burgdorferi im Suchtest hat nur eine geringe Aussagekraft, da unspezifische Reaktionen, insbesondere von IgM‐Antikörpern, nicht von Borrelien‐spezifischen Antikörpern unterschieden werden können. Zudem ist keine Differenzierung der nachgewiesenen Antikörper gegen die erkannten Borrelien‐spezifischen Antigene möglich, so dass eine Beurteilung der serologischen Befunde in Bezug auf die klinische Symptomatik des Patienten kaum möglich ist.
Entsprechend den Leitlinen der mikrobiologisch‐infektiologischen Fachgesellschaften (1,2) und den für akkreditierte medizinische Laboratorien geltenden Richtlinien der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) werden wir daher in Zukunft bei grenzwertigem oder positivem Ergebnis des Borrelien‐Suchtests automatisch den Bestätigungstest (IgM‐ und IgG‐Immunoblot) durchführen.
Um eine detaillierte Beurteilung der serologischen Befunde zu ermöglichen, bitten wir Sie, klinische Angaben zum Patienten auf der Anforderung zu vermerken.
Sollten Sie keine Bestätigung eines grenzwertigen oder positiven Borrelien‐Suchtests im Immunoblot wünschen, muss dies ausdrücklich auf der Anforderung vermerkt werden.
Wir möchten an dieser Stelle auch noch einmal darauf hinweisen, dass serologische Verlaufskontrollen nach Therapie einer Borreliose nicht empfohlen sind, da die Antikörper über Jahre bis Jahrzehnte positiv bleiben können und die Höhe der Antikörper‐Konzentration nicht mit dem Therapieerfolg korreliert.
Für weitere Informationen und Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Nele Wellinghausen Abteilung Infektionsserologie
1. Wilske B, Zöller L, Brade V, Eiffert H, Göbel UB, Stanek G, Pfister HW: MiQ 12, Lyme‐Borreliosis, 2000. 2. Kaiser R, Kölmel HW, Pfister HW, Rauer S, Wilske B: Neuroborreliose. Leinlien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, In: Diener HC (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, 3. Auflage, Thieme‐Verlag, 2005. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030‐071l_S1_Neuroborreliose.pdf  |